Südostasien und ich

„Na und bei Ihnen? Graubrot oder Käse?“ Nein, nicht die Frage der Stewardess über meinen Snackwunsch sondern die interessierte Nachfrage eines offenbar weiteren Asienreisenden mit deutschen Gelüsten beim ersten Betreten deutschen Bodens.

Und dann geht alles ganz schnell. Mein Backpack taucht auf dem Gepäckband auf, ein letztes mal schleudere ich ihn mir selbst auf den Rücken. Mein Herz setzt zwei bis drei Schläge aus, als ich zur Tür zur Arrival Halle gehe und sie sich vor mir öffnet.

Ein lang gehegter Verdacht mit nur gelegentlichen und kaum existenten Zweifeln bestätigt sich mal wieder, es ist offiziell: ich habe die beste Familie und die besten Freunde auf der ganzen Welt. Denn keine andere könnte mich glücklicher machen als meine Mama, die natürlich (und sonst würd ich sie ja auch nicht wiedererkennen) mit dem Smartphone vor dem Gesicht alles filmt, mein Opa, der mit einer, in Geschenkpapier verpackten Käsestulle da steht, meine Schwester, die per Skype auch mit live dabei ist und meine Freunde die aus dem Nichts auf einmal auftauchen und mich erstmal total überfordern. So viele Leute die ich so liebe.

Und schon ist meine Reise zu ende. Nachdem ich den obligatorischen Facebook-Eintrag bereits veröffentlicht habe, dürfen hier natürlich auch nicht ein paar Worte fehlen. Da ich mich aber schon bei ersterem emotional verausgabt habe, hier erstmal ein paar raue Fakten und Zahlen.

Südostasien und ich in ein paar Zahlen:

  • 7 Länder
  • 4,5 Monate
  • 323,5 Stunden in Flugzeug, Bus und Zug
  • 59 verschiedene Betten
  • 2 Bettwanzenpanikattaken
  • 1 Krankenhausbesuch
  • 140 Telefonate beziehungsweise vergebliche Versuche
  • 6 komplett ruinierte Kleidungsstücke
  • 100 neue Instagramfollower
  • 3 Verbände
  • 4 beschissene Tage
  • 6 zugenomme Rucksackkilos
  • 8.436 aufgenommene Fotos
  • 15 genommene Reisetabletten
  • 73 neue Facebook-Freunde
  • 8 neue Whatsapp-Gruppen
  • & eine Million tolle Erlebnisse

Südostasien und ich in ein paar Geständnissen:

  • An den Mann im Restaurant in Muang Noi: Vorab, es ist uns im Nachhinein wirklich unangenehm, umso mehr da ich annehme, dass der spontane Lachanfall meinerseits inklusive Verschlucken an meinem Getränk dazu geführt haben könnten, dass du unsere Notlüge enttarnt hast. Hier die Bestätigung: Wir haben deine letzte Frühlingsrolle vom Teller gegessen während du auf Toilette warst. Wir, nicht der Hund. Nächstes mal mach bitte deutlicher, dass du nicht endgültig gehst und vor hast in ein paar Minuten wiederzukommen.
  • An O.: Ich gestehe, und das zugegebener Weise nur, weil ich weiß, dass deine Deutschkenntnisse genau so niedrig sind wie beim oben genanntem Frühlingsrollen-Mann, dass ich nachts meine leere gegen deine volle Wasserflasche getauscht habe. Ich hatte echt ziemlich Durst und du hast 45 philippinische Pesos bei mir gut.
  • An den Großteil aller Hostelbesitzer da draußen, deren Toiletten, Wifi und Sitzmöglichkeiten ich benutzt haben: Nein, ich hatte nie vor bei euch zu übernachten. Ich muss es auch nicht erst mit einer Freundin besprechen. Und ganz sicher bin ich nicht „right back!“.

Südostasien und ich in ein paar Lieblingseinheimischen

  • Meine liebe Hostelrezeptionistin in Chiang Mai, die stoisch die Extrakissen-Wünsche, weitergereichten Pizzalieferanten an meinem Handy und die Volltags-Common-Area-Couch-Nutzung durch ein blasses, fiebriges Etwas mit glasigen Augen und stets einem Fieberthermometer im Mund ertragen hat. Des weiteren Danke für mein erstes Nahtoderlebnis in Thailand auf dem Rücksitz deines Motorrads mit meinem Backpack auf dem Rücken, der ganz allgemein sich anscheinend sehr zu der Straße hinter uns hinzugezogen fühlte und sich selbst, inklusive mir in seinen Trageriemen, mit jedem neuen Anfahren möglichst schnell diesem näher bringen wollte.
  • Me und Nuun die Tourguides aus meiner ersten Thailandwoche, die mit all den schönen Erinnerungen noch heute immer wieder zur Erheiterung in engsten Singburi-Kreisen führen.
  • Der gute Wächter des Aussichtspunktes in Vang Vieng, der uns so herzlich zum Mittagessen eingeladen hat. Vom Stickyreis, gewürzt mit dem Schmutz dutzender, in ihm wühlender Hände und unserem ersten laolao träume ich noch heute.
  • Babu, die ich so froh bin kennengelernt zu haben und die während meiner Zeit in Moalboal eine richtige Freundin war.
  • L.A. aus der Raggae-Bar, der sich jeden Abend an meinen Namen erinnert hat, auch wenn ich selbst mit seinen zwei Buchstaben schon total überfordert war. Seine abendlichen Gitarre-Auftritte und das Valerie gehören zu meinen Reisehighlights und werden besonders vermisst.

Südostasien und ich in ein paar Memes
Unbenannt

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Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Zum ersten Teil:
    Das Geschenkpapier war in Wirklichkeit Klarsichtfolie von der Rolle. Ich gehe aber davon aus, dass die meisten Deiner Spotlights realistisch sind. Aber Deinem Opa wolltst Du natürlich eine besondere Freude machen. Danke.

    Ein paar Zahlen:
    0,98 bschissene Tage pro Monat. Super Ausbeute
    Die letzten 436 Fotos haben mich verfehlt. Und: War ds 5.612 Foto das mit den 2 Füssen? Da erinnere ich mich nicht mehr so genau.

    Geständnisse: Wieviel Backpacker sind den so unterwegs? Ohne diese Angabe kann man den geklauten Klopapier der Hotelbesitzer gar nicht abschätzen.

    Lieblingseinheimische: Ich vermute mal, da hast Du noch eine 2-stellige Zahl unterschlagen. Hast Recht, soll jeder seine eigenen Freunde finden.

    Memes: Kenne ich nicht. Habe aber die Zahl Pi erkannt.

    Noch Einmal: Vielen Dank dafür, dass Du uns an Deiner Reise hast teilhaben lassen.
    Opa Dieter, der mit der Käsestulle

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