So kanns kommen

Beim Tippen meines ursprünglichen Anfangs des letzten Blogeintrags (irgendetwas dramatisch klingendes à la ein letzter prüfender Blick am Immigration-Schalter, ein letzter Passstempel…) hatte ich schon gleich gezweifelt, schließlich weiß man ja nie. Und richtig, mal wieder wusste ich sowas von gar nicht. Schön blöd hätte ich wohl aus der Wäsche geguckt, auf Abschied getrimmt nächste Woche am Flughafen in Kuala Lumpur stehend und feststellend, dass mein Flug gar nicht aus dieser Stadt geht. Dass mein Flug nichtmal aus diesem Land geht, sollte ich wahrscheinlich zu meiner eigenen Ehrenrettung nicht erwähnen. Vielleicht kennt der eine oder andere das auch. Man ist sich über etwas so sicher, dass man nicht im Traum drauf kommen würde es anzuzweifeln, egal wie unsinnig die Sache auch sein mag.

Damit starte ich nun in ein Selbstexperiment: 4 Länder in 3 Tagen, wird sie es schaffen? Schon an Tag eins scheinen wir in Malaysia zum Scheitern verdammt zu sein. Dass es in keinem der kleinen Restaurants mit einheimischen Charme (eine unwiderstehliche Kombination aus Plastikhockern und halb abgeputztem Geschirr) Cheese Naan gibt, was mir zu diesem Zeitpunkt einer echten Tragödie nahe zu kommen scheint, stellt sich nur als Anfang heraus. Die nächste Hürde auf unserem Weg nach Singapur präsentiert sich uns in Gestalt einer Asiaten um die 50 in einem Ganzkörper-Karo-Outfit, die es nur mittelmäßig zu belangen scheint, dass wir durch die zentimeterdicke Glasscheibe, die das Fußvolk vom Inneren des Ticketschalters trennt, irgendeinen Prozentteil unter 40 dessen verstehen, was sie vor sich hinmurmelt. Die Essenz ihres, mehr als unmotiviertem, Monologs scheint allerdings zu sein, dass alle Busse plus minus 5 Stunden in der angestrebten Abfahrtszeit ausgebucht sind. Da fragt man sich ja schon, wie die ganzen Einheimischen sich diesen Ausflug finanzieren, wo es doch schon für uns als Deutsche teuer ist. Nachdem unser Singapur-Aufenthalt dank meiner ungeplanten aber nun nötig gewordenen Reise in ein weiteres Land vor Abflug nun schon hinten um einen Tag verkürzt wurde, wird er auch vorne nun einen Kopf kürzer.

Dementsprechend glückseelig sind wir, als sie uns versichert sechs Leute würden ihr Ticket stoniert haben und wir in die Sitze eines früheren Busses fallen können. Glückseelig bis der Alptraum in kariert, nach drei bis viermal mit Argusaugen durch den Bus streichen, uns scheinheilig fragt warum wir denn im früheren Bus sitzen. Ob die Gute nach Jahren hinterm Schalter einfach nur langsam verrückt wird oder sie uns vorhin etwas komplett anderes erzählt hat, was irgendwo in einem Zentimeter der Glasscheibe sich zu einem anderen Wortlaut geändert hat, so oder so wir sind maximal genervt.

Während meine bessere/schlauere Hälft, die die umgerechnet 3€ Kosten für mobiles Internet nicht gescheut hat, sich mit Facebook & Co. vergnügt gehe ich nach und nach jedes der „free wifi“ durch um nirgends auf Erfolg zu stoßen und mich schließlich geschlagen meinem Buch zu widmen.

Die Klimaanlage des Reisebusses bereitet uns wettertechnisch dann auch nettwerweise auf Berlin vor beziehungsweise auf eine nächste Eiszeit im Falle eines überraschenden Klimawandel-Plottwists. Die Temperatur im Bus beträgt momentan irgendetwas kanpp unterhalb abgefrorene Füße und akute Lungenentzündungsgefahr. An alle die mir vor Reisetritt geraten haben etwas warmes für die klimatisierten Busse mitzunehmen: Ein Hinweis dass damit nicht ’ne leichte Jacke sondern das Nordkapp-Skioutfit inklusive Moonboots gemeint war, wäre nett gewesen!

Am Immigration-Schalter steigt das Nervenzusammenbruchslevel dann mal wieder auf den oberen 90 Prozentbereich. Trotz Durchzählen der Leute in den unterschiedlichen Schlangen und damit theoretisch hoher Chance den Spaß schnell hinter sich zu bringen, haben wir natürlich die gemütliche ältere Dame am Schalter erwischt, die dann genau vor mir beschließt Schichtende zu machen. Gemächlich und mit einer Balu der Bär Gelassenheit macht es sich ihr Nachfolger gemütlich, sortiert seine Stempel mit sorgfälltigster Präzession, stellt den Monitor auf seine favorisierte Höhe ein.

An dieser Stelle würde ich gerne eine nachträgliche Änderung an meiner damaligen Aussage in Wenn wir anfangen zu lächeln vornehmen: Lächelnde und freundliche Menschen sind immer und überall toll außer am Immigrationsschalter. Hier ist mir jeder unfreundliche Beamte, darauf erpocht nur möglichst schnell, mit den Gedanken an sein kühles Feierabend-Bier, einen der nervigen Touris nach dem anderen abzuhandeln. Es gibt schließlich genug da draußen, die Busfahrerinnen, die Käsetheken-Fachmänner und Bürgeramt-Beamten, die mehr als trainiert in genau dem abschätzigen Blick und jeglicher Vermeidung freundlicher Floskeln sind umd nur darauf aus einen möglichst schnell loszuwerden. Da müsste sich doch irgendwie eine internationale Umschulung organisieren lassen.

Per Taxi schaffen wir es dann schließlich zu unserem Hostel und in unseren verdienten Schlaf, nach diesem äußerst tatenreichen Tag.

Unser nächster Tag beginnt mit einem Hostel-Frühstück, welches die Frage aufbringt, ob ich in meinem Port Barton Blogbeitrag vielleicht zu sehr betont habe, wie sehr ich mein verkohltes Brötchen vermissen werde. Das Hostel und deren eigenwilliger Toaster geben sich auf jeden Fall Mühe dem Abhilfe zu leisten.

In einem neuen Land angekommen ist es uns natürlich wichtig die lokalen Spezialitäten zu testen und in, von Einheimischen beliebten Restaurants, zu speisen, die mehr als schmerzenden und mehr als westlichen Preise nicht scheuend. (Da die Ironie hier nur mit geschultem Auge erkennbar sein mag, an der Stelle ein kleiner Vermerk: Achtung, Ironie!) Stattdessen genießen wir während unserem Aufenthalt eine abwechslungsreiche Kost, die die wichtigsten Balaststoffe und Vitamine enthält.

Mittagessen
Abendessen

Unsere Singapur Sightseeiing Tour auf eigene Faust wird dann auf Grund der preislichen sowie wettertechnischen Situation mehr und mehr eingeschränkt bis sie aus durch Gucci&Co. laufen, sich über Preise lustig machen und im Schnellschritt von einer Überdachung zur nächsten hechten um auch bei prasselndem Regen etwas von der Stadt mitzubekommen. Trotzdem ist Singapur auch für mich eine ziemlich coole und faszinierende Stadt.

Gardens by the bay
Singapur

Am nächsten Tag geht es dann früh für mich weiter nach Thailand, einen Tag Bangkok unsicher machen ist der Plan.

über den Wolken

An den Plan hält sich dann aber keiner und schnell fällt auf wer hier die eigentliche Oberhand hat. Bangkok für seinen Teil scheint beschlossen zu haben den wer macht jetzt wen unsicher Teil kurzerhand umzudrehen.

Die Fluggesellschaft meiner Wahl schafft es einen neuem Rekord an minimaler Beinfreiheit zu schaffen, eine Tatsache die ich wohl nicht ganz so lässig mit einer extravakanten Sitzposition überspielen kann, kommen doch bei Verlassen des Flugzeugs zwei ältere Asiaten mit einer dringenden Frage auf mich zu. How can you squeeze yourself in there? Nicht ganz so gut wie mein Favorit why are you so tall, is that normal? aber durchaus auch eine interessante Frage.

An dem Immigration Schalter dann natürlich erstmal wieder der Typ ich hasse diesen Job, macht euch den blöden Stempel doch selber in den Pass, was auch ich, angesichts der Zeitlupen-Geschwindigkeit, mit der sie meine Dokumente kontrolliert, durchaus vorziehen würde. Was man ihr dann allerdings zu Gute halten muss ist, dass es nicht ihre Schuld ist, dass meine Departure Card nur zur Hälfte ausgefüllt ist. Bemerkenswert hierbei ist, dass ich nicht davon spreche, dass nur die Hälfte der Felder ausgefüllt ist, sondern dass ich anscheinend große Teile der Antworten nur bis zur Hälfte aufgeschrieben haben unter den ungeduldigen Argusaugen des Mannes, dessen Stift ich mir geliehen hatte. Ung, Lola Mar from Germa. Mein Backpack wurde natürlich inzwischen vom Band  genommen, fährt doch nun das Gepäck des sonstwievielsten nächsten Fluges ein. Wenigstens muss ich ihm nicht, weggeschleppt  von einem misstrauischen Flughafenangestellten und wahrscheinlich kurz davor aufgeschlitzt und von Drogenschnüffelhunden durchsucht zu werden, einmal durch die Ankunfts-Halle hinterherrennen wie damals in Hanoi.

Der Weg zu dem Airport-nahen Hostel, wie ich es mir logischer Weise für eine stressfreie Anreise ausgesucht habe, erweist sich dann als ganz und gar nich Airport-nahe. Nach der Fahrt zur nächsten Zugstation sind es noch läppische 3 km zu Fuß, die ich nicht gewillt bin mit einem teuren Taxi zu fahren. Einige TukTuks, die hier als Busse verkehren, stehen herum, wo ich hin will scheint ihnen aber nichts zu sagen, sodass ich mich zu Fuß auf den Weg mache. Die Hitze ist gnadenlos und als sich die Tragegurte meines Backpacks mehr und mehr ins Fleisch schneiden verschwindet langsam der Verdacht, die Fluggesellschafft habe die Gepäckwage manipuliert um mehr Geld zu machen. 17,6 Kilo scheinen durchaus realistisch.

Als ich nach geschätzen 150 „ich schaffe das“ im Hostel ankomme, hat mein Schweiß- und Stresslevel den Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr weiß ob ich weine oder schwitze und der Rezeptionist mir ungefragt eine Handvoll Taschentücher entgegenstreckt.

Doch keine Zeit zum Verweilen, mein Aufenthalt hier ist kurz. Innerhalb von wenigen Minuten bin ich mit dem Tuktuk, das Hostel und Zugstation verbindet zurück an meinem Ausgangsort und gewillt wild um mich zu schlagen, würde der extrem starke Feuchtigkeitsfilm auf meiner Haut und die diesbezügliche Rutschigkeit mein Zielvermögen nicht dermaßen beeinflussen.

Entgegen meinen eigenen Recherchen, wo ich aussteigen muss um zum Markt zu kommen, vertraue ich den Erklärungen des Hostelbesitzers und steige eine Station früher aus. Ein Blick auf die Karte: 3 km zu Laufen von hiet aus. Also wieder rein in die Bahn und, oh Wunder, zur eigentlichen Station, danke dafür. Der Markt stellt sich als ein Reinfall sondergleichen heraus und schnell bin ich wieder auf der Straße beim Versuch mich zur Khao San Road durchzukämpfen. Beim Versuch die Straße zu überqueren stellt sich mal wieder heraus, dass es durchaus so etwas wie eine grüne Fußgänger-Ampel gibt, da alle Einheimischen auf die Millisekunde genau gleichzeitig loslaufen, diese sich aber nicht in dem erwartetem grün Werden der Ampel äußert.

Jeder der schon einmal in Bangkok versucht hat den Bus zu nehmen weiß, dass das prinzipiell nicht möglich ist. Die einzige Chance als nicht Einheimischer an deinem Ziel anzukommen hast du, wenn du willkürlich in einen Bus einsteigst und deinen Zielwunsch dementsprechend anpassts. An jeder Station fahren um die 20 verschiedene Buss, alle nur anhand ihrer unterschiedlichen Verfallsstadien und ausschließlich thailändischer Beschriftung zu unterscheiden. Nachdem ich vergeblich drei Leute angesprochen habe und bereits eine halbe Stunde an der Straße stehe, finde ich eine Gruppe Jugendlicher, die mir den richtigen Bus zeigt und ich bin mehr als erleichtert.

An dieser Stelle würde ich jetzt schreiben, dass ich bei der Busgeschwindigkeit genau so gut laufen könnte, würden meine Beine nicht so sehr schmerzen, dass an Laufen per se nicht zu denken ist. Nach 10 Minuten stehen wir an der Kreuzung fünf Meter nach der Haltestelle. Bangkoks Straßen scheinen komplett still zu stehen.

Mit einem eindeutig zu hohem Stresslevel für einen so turbulenten Ort wie diesem, komme ich schließlich an der Khao San Road an, zugegebener Weise maximal genervt von dieser Stadt und diesem Tag.

Khao San Road
Ein letzter Obstand
Ein letztes PadThai

Tatsächlich scheine ich es geschafft zu haben, an meinem letzten Tag noch einen letzten richtig blöden Tag zu erschaffen (in die Bewertung ist hier auch schon der zweistündige Rückweg mit einberechnet) aber das ist vollkommem okay. Hinter mir liegen so viele schöne Märkte, so viele unkomplizierte TukTuk Fahrten, so viele nette Einheimische, so viele besser bescheid wissende Rezeptionisten, so viele schnellere Passkontrollen, so viele tolle Tage.

Also, man sieht sich! Diesmal aber wortwörtlich 🙂

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3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anke Borchardt sagt:

    Händisch k FerienUsus Osiris muss… jann nicht richtig tippen, da ich anlässlich deines letzten Blogs (wuahh) noch die Tränen aus den Augen vertreiben muss… habe wiedermal sehr gelacht und am Ende die bereits erwähnte Flüssigkeit produziert, sehr schöner Schluss! Ich wünsche dir einen guten Heimflug. Und wenn es in Berlin zu kalt ist, besuch uns im Ländle, hier werden es heute knackige 30 Grad, dass wirft die Frage auf, endlich die dicke Biberbettwäsche vom Winter abzuziehen oder lieber nur die Fenster mit Zeitungen voll zu kleben, um die Sonne auszusperren und die Temperaturen im Haus in Schacht zu halten. Das scheint mir die leichtere Alternative, bin schließlich nicht so belastbar. Im Radio kommentieren sie gerade die neuen, verrückten Eissorten des Sommers, wie zB Nagellack-Buttermilch, also gibt es doch auch hier kulinarische Lichtblicke, die erwähnungswürdig sind! Freue mich auf dich, auch wenn unser Wiedersehen ja noch etwas länger dauert, komm gut heim und guten Start zurück im auch spektakulär sein könnenden (haben sein würden müssen ahhhh?!?) Deutschland! Alles Liebe Anke

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    1. lolalucil sagt:

      Hallo Anke, inzwischen hab ich es nach Berlin geschafft und verschanze mich die nächsten Tage erstmal mit meinem Lieblingskäse… freue mich so sehr auf euch, entweder an meinem Halbgeburtstag oder vielleicht mache ich mich ja wirklich zu euch auf den weg.. 🙂 alles liebe von Lola

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  2. Das klingt nicht komplett stressfrei, aber schließlich läuft es nie ganz so wie erwartet, nicht wahr? Ich werde deine Blogeinträge vermissen!

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