Heute teils bewölkt

Nach meinem ersten Monat in Thailand war ich mir ganz sicher: Das war der schönste Monat meines bisherigen Lebens. Ich muss zugeben, immer wieder in den folgenden Monaten hatte ich geradezu Angst dieses Gefühl, das etwas nicht nur mögen sondern in es verliebt sein, verloren zu haben. Meiner Meinung nach wird Reisen ganz allgemein gerne mal verherrlicht. Jeder, vom ab und zu mal nach Malle Fahrer bis zum Vollzeit-Backpacker scheint sich hier einig zu sein: Reisen ist das Beste, das Ultimative. Das muss doch jeder lieben. Aber was ist wenn Reisen im Endeffekt nur genau so ein Hobby ist wie es Golf spielen und Kuchen backen ist? Klar, jeder wird dir schon im Vorherein sagen es kann nicht immer alles super sein, es wird immer mal wieder einen doofen Tag geben. Und trotzdem wird man auf Reisen mal gerne von Jedem dran erinnert bloß jeden Tag zu genießen. Aber wenn du einen Kuchen backst oder zum ersten Mal mal Golf ausprobierst obwohl du sonst eigentlich eher der Basketball-Typ bist, kommt da auch jeder und sagt dir wie sehr du das zu lieben hast? Natürlich ist es nicht nur der allgemeinen Meinung über Reisen sondern auch meiner Art, die gerne mal alles bis ins kleinste Detail tausendfach überdenkt, zu verdanken, dass ich zurückblickend erschreckend viel Zeit damit verbracht habe zu überlegen, ob das hier alles überhaupt richtig ist, ob ich das hier alles genug liebe. Umso dankbarer bin ich jetzt, angekommen in Malaysia, auf die letzten zwei Wochen zurückblicken und sagen zu können, dass diese zwei Wochen mit Sicherheit mal wieder zu den schönsten meines Lebens gehören.

Über den Wolken und Singapur

Damit freue ich mich auch sehr auf die nächste Woche und das nächste Land, frisch in Malaysia angekommen. Danke scheint schon einmal in etwa das gleiche zu heißen wie in Indonesien, was mir sehr entgegen kommt angesichts der Tatsache, dass mein ausländischer Wortschatz irgendwo zwischen kopchailalai und selamat hängengeblieben ist. In dieses neue Land starte ich voller Glück, ist der International Airport Kuala Lumpur doch mein Liebling. Ein fantastischer Supermarkt, in dem man sich viel zu viel Süßigkeiten kaufen kann, nettes Flughafenpersonal und saubere Böden, was ich mit Sicherheit bestätigen kann, verweilte ich doch einige Zeit sehr nah zum Boden nachdem mir ein Geldstück runterfiel und ich, den inzwischen 16 kg Rucksack auf dem Rücken, einige Zeit brauchte um aus der Hocke wieder in die Senkrechte zu kommen.

Nach einer interessanten Monorail-Fahrt, bei der ich mir anfangs nicht sicher war, ob sich der Winkel, in dem sich die Bahn auf dem Gleis zur Seite lehnt noch im normalen Bereich liegt, bin ich inzwischen in unserem Hotel angekommen. Beziehungsweise in dem Hotel meiner beiden neuen Reisegefährten, die ich hier nach ein paar mitternächtlichen, und wohl keinem klar wie ernst gemeinten Abmachungen, heute treffe. So sehr ich mich auch freue hier auf sie zu treffen, das Reisen mit einem Blogleser schränkt mich in meinem Ausschmückungsspielraum dann doch ziemlich ein und fesselt mich sehr an die Wahrheit. Der Druck etwas interessantes und erwähnenswertes diese Woche zu erleben steigt.

Die Twin Tower


Hierbei stellt sich unser Luxus-Apartement im Herzen Kuala Lumpurs schon als hinderlich heraus, lädt es doch zum den Tag komplett auf Couch und Poolliege nebenbei Herlaufen lassen ein. Das passiert einem zwischen Schimmelbefall und durchgelegener Hostelmatratze nicht so schnell.

Um alles, was wir vermeitlicher Weise verpasst haben zu kompensieren hat sich Herr Stefan Loose aber auch gleich ein paar nette Fehlinformationen in seinem Malaysia Reiseführer ausgedacht, die uns auf der Suche nach dem richtigen Busbahnhof durch ein paar interessante Straßen führen und in Kontakt mit einigen Einheimischen bringt.

Auch mit seiner Hostelempfehlung sorgt er für eine Art Überkompensierung in Sachen Komfort und Sauberkeit im Vergleich mit unserer letzten Unterkunft. Während man meinen könnte, die Toleranz gegenüber mehr als simplen Quartieren stiege mit den Monaten, ist es bei mir eher ungekehrt. Überraschend  wohl fühlte ich mich die ersten Monate zwischen Laken mit ominösen Flecken, mehr als reudigen, nasszellenartigen „Duschen“ und streunenden Katzen in der Kochzeile des Restaurants. Jetzt wo die Heimreise allerdings näher rückt stellt sich mein Kopf schon verfrüht mehr und mehr auf warmes Wasser, Toilettenspülung und Ungeziefer-freie Betten ein.

Entsprechend wenig begeistert sind wir beim Erwachen am nächsten Morgen von der, sich lasziv räkelnden Bettwanze auf einem unserer Backpacks. Der Alptraum eines jeden Backpackers. Auch ich muss zugeben, dass meine Bett-nach-Bettwanzen-untersuchen-Routine zwischen akribischem Nahten mit Taschenlampe untersuchen und einfach mal das Beste hoffen schwankt. Besonders in Hostels, in denen die Matratze schon diesen leicht feucht bis siffigen Touch hat, will man meist gar nicht so genau wissen, wie es unter dem Laken aussieht.

Schon mehrmals durfte ich Zeuge der RTL-Show reifen Aufführung „Diskussion mit der Rezeption über Bedbugs“ werden, heute bin ich ganz vorne mit dabei als eine der Hauptrollen. Für jemanden, der prinzipiell wenn er wütend ist weinen oder lachen muss, kein leichter Tobak, vorallem da die unschuldig dreinblickende Rezeptionistin noch ihr jammerndes und einfach viel zu süßes Baby auf dem Arm hat. Meine Schwachstelle. Als sie dann aber bei unserem Vorwurf eher ertappt als erschrocken wirkt und klar wird, dass sie weit mehr überrascht gewesen wäre, hätten wir ihr für die Ungezieferfreiheit ihres Etablissements gratuliert, fallen aber auch meine Hemmungen. Ohne ein Widerwort, die Beschwerde scheint sie tatsächlich gewohnt zu sein, erstattet sie uns die Folgenacht. Auf unsere Aufforderung hin, uns auch die letzte Nacht zu erstatten, wird dann aber doch die Chefin geholt. Mit unserer Betonung, wo wir unsere letzten Nächten verbracht haben, nehmen wir dann aber auch ihr und ihrer Überzeugung wir hätten die Bettwanzen mitangeschleppt den Wind aus den Segeln und erhalten unser gesamtes Geld zurück.

Dank diesem Vorfall, paranoidem dreifachen Untersuchen aller Anziehsachen und einem allgemeinen Jammern über das harte Schicksal in der Runde, sind unsere Pläne, früh zur Cameron Highlands Wanderung zu starten dann auch durchkreuzt. Meine, gestern noch voller Überzeugung die Vor- und Nachteile der 6 beziehungsweise 7 stündigen Wanderung vergleichenden Reisekumpanen liegen momentan auf den Sofas unseres neuen Hostels, Google nach dem kürzesten Weg mit minimaler Anstrengung durchsuchend.

Mit genügend Crackern und lauter Musik schaffen wir es dann doch schließlich uns aufzuraffen und uns den Weg zu den Teeplantagen Malaysias zu bahnen. In einem der Tea Shops den einheimischen Tee probieren ist natürlich ein Muss. Dieser ist zwar sehr lecker, den leicht vergorenen   Geschmack meines Kuchenstücks kann er allerdings nicht vollends überdecken.


In der Teeplantage stellt sich dann meine männliche Begleitung mal wieder als einmaliger Glücksfall heraus. Während man bei manch einem geradezu auf die Knie fällt, um ein Foto bettelnd und um dann einen verwackelten Schnappschuss zu bekommen, treffe ich hier selbst ohne Nachfrage auf einen phänomenalen Einsatz für das perfekte Instagramfoto (Adam-Potenzial).


Auf unserem Rückweg entscheidet sich Mutter Natur, wie in den letzten 2 Wochen gerne, mal eben für eine kleine Inzenierung der Sinnflut, sodass sich ein Pickup Fahrer erbahmt uns auf der Ladefläche mitzunehmen. Auch hier ist wieder nicht eindeutig zu erkennen, auf welcher Straßenseite man in diesem Land fährt; vielleicht ist mal links und mal rechts oder halt mitten auf dem Mittelstreifen, vorzugsweise in der Kurve aber ja auch gesetzlich vorgeschrieben.

Auch im Hostel angekommen und eine Stunde später ist das Wetter noch nicht davon überzeugt mal eine Pause einzulegen und wütend unbeirrt weiter. Hungrig sind wir so lange von der Außenwelt und allem Essen isoliert bis sich der Hungrigste unter uns, getrieben von der Andeutung der weniger Hungrigen, dass wir ja auch noch 1 bis 2 Stunden warten könnten bis das Wetter besser wird, raus ins Unwetter traut, unsere Essens- und Supermarktsnacksbestellungen besorgend.

Am nächsten Tag, die Straßen sind nachwievor nass, machen wir uns auf den Weg nach Penang. Im Bus wundere ich mich mit einem Blick auf meine Mitreisenden mal wieder wie viel Schlaf in einen einzigen Menschen passt.

Ob es unsere fehlende Motivation, die Gemütlichkeit des Hostels, die brennende Hitze oder das tatsächliche Fehlen von Sehenswürdigkeiten in Georgetown ist; auch diesen Tag verbringen wir zu einem relativ großen Teil zwischen den Wänden unserer Unterkunft. Verständlich nach unseren äußerst aktiven Tagen zuvor. Unser Tageshighlight soll zur Abendstunde ein Nachtmarkt werden, der sich als eher minimal ausgebaut herausstellt. Mit fehlendem Könnerblick und Beschwatzung des Inhabers, dessen Augen quasi glänzen bei Anwerbung seiner Tom Yam, schaffen wir es den einzigen Stand zu finden, dessen Preise nicht nur nicht Straßenmarkt-konform sind sondern auch für Restaurantverhältnisse teuer. Während meine Mitreisenden vollends begeistert sind, auch wenn sich die zweifel an ihrer vorherigen Aussage spicy is okay sich in ihren Schweißperlen spiegeln, stelle ich mit jedem Probieren eines weiteren überteurten Toppings heraus, dass es sich auch bei diesem um eine, in Fischsoße eingelegte, vegetarische Beilage handelt. Dass der Kellner mir als einzige nach einigen Minuten eine Gabel bringt bringt zudem den Verdacht auf, dass ich gar nicht mal so lässig mit meinen Stäbchen aussehe wie erhofft.

Am nächsten Morgen sind es, wie jeden Morgen, nicht die mehreren Wecker die uns wecken, sondern der prasselnde Regen, der inzwischen zu einer Art Soundtrack für Malaysia geworden ist. Eine weitere Morgenroutine ist das Mitreisende-davon-überzeugen-dass-man-dann-auch-langsam-aufstehen-könnte-um-das-Frühstück-nicht-zu-verpassen. Mir strömt keine Begeisterung entgegen, den Schoko-Erdnussbuttertoasts dafür um so mehr.

Unsete Scooter-Pläne für heute hat der Regen gekonnt durchkreuzt, lädt der erhöhte Feuchtigkeitsfilm auf der Straße doch nicht grad zu ersten Probefahrten ein.  Mit eher gering vorhandener Motivation sitzen wir am Frühstückstisch, halbherzige Diskussionen über fraglich gute Schokoladen-/Kameramuseen führend, hauptsächlich aber die neusten Memes auf Instagram checkend.

Da ich ahne, dass dieser Tag wohl nicht mit einem Maximum an Ereignissen glänzen wird und mir die Schilderung eines schnöden Kinobesuchs und 7/11-Einkaufs in einem Land, in dem man doch immer was voll aufregendes machen muss, dann doch etwas unangenehm ist, mache ich an der Stelle mal Schluss. Bis dann!

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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Andrea sagt:

    lasziv räkelnde Bettwanze….. Sehr gut ….(beziehungsweise sehr schlecht). Könntest du deinen Blog eigentlich auch in Berlin weiterschreiben? Wenn nicht, wird mir etwas fehlen.

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    1. lolalucil sagt:

      Ja du wenn genug interesse an berichten über käsebrot und depression über nichts zu tun haben besteht, immer gerne!

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  2. Anke sagt:

    Hallo Lölchen, ich kann mich Andrea nur anschließen, dein Blog gehört mittlerweile zum Unterhaltungsprogramm am Morgen, irgendwann aufhören, gibt`s nicht! Vor allem, da ich heute festgestellt habe, dass Blog-Lesen auf dem Laptop viel entspannter ist und die wirklich tollen Bilder (Hintergründe, Hintergründe (gieriger Smiley…falls du es noch nicht mitbekommen hast, bin unter die Fotobuchjunkies gegangen)) dann bereits offen sind und ich nicht wie verrückt auf mein Smartphon trommeln muss, weil mal wieder nicht alle aufgehen…Also, hab dich nicht so, gib dir halt Mühe. So schwer kann es nicht sein, auch in Berlin eine kleine, private Bettwanzenzucht aufzubauen und deinen wunderbaren Blog dort fortzuführen! Ach und was ich noch sagen wollte: Genieße jeden Tag (Zunge rausstreckender Smiley)!
    Alles Liebe
    Anke

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    1. lolalucil sagt:

      Hahaha okay ich gebe mir mühe! Dicken kuss ins Schwabenländle 🙂

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  3. Hallo mittelgroße, nein ganz große Enkeltochter,
    ich habe wieder Netz denn unsere (übrigens sehr schöne) Schiffsreise ist zu Ende und wirr sind noch für 2 Tage am Rande von Amstterdam. Ich habe als erstes Deinen Blogg gelesen, noch vor den Meldungen aus meinem Hobby. Da heute wohl Wunsch-Tag ist (Wanzen, Bloggschreiben, Fotos) melde ich auch einen Wunsch an: Bitte schreibe weiter aber Bitte schreibe nicht ganz so schwer,denn ich muß immer wieder eine Passage doppelt lesen, ehe ich den Sinn, besonders den vor Ironie tirefenden oder gar den, der erst zwischen oder vielleicht hinter den Zeilen versteckten und erst durch Nachdenken b.z.w. das erwähnte Doppelt Lesen …. wie soll eigentlich mein Satz zu ende gehen. Ach Ja: Schreib einfach weiter. Und: ich freue ich aus Nachfragen zu können.
    Ganz liebe Grüße, vom Opa, der wie fast alle alten Leute immer wieder mal etwas zu nölen hat.

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