Hinter den Kulissen

Dass zwischen social media und dem echten Leben teilweise Welten liegen sollte für keinen eine Neuheit sein. Ob es das blaue Meer ist, dass seine Perfektion in erster Linie Gingham, Clarendon & Co. zu verdanken hat, oder das Pärchen, das dann in Wirklichkeit doch gar nicht so #couplegoals ist. Und hinter manch einem Instagram-Foto steckt eine ganze Menge hin und her, hier und da mal eine Geschichte und mit Sicherheit der passende Filter. Hier einmal die Geschichten hinter ein paar meiner Instagramwerke:

1.


Stress. Fast eine Woche bin ich jetzt schon in Thailand und noch kein Instagram-Bild. Als am Freitag der Monkey Temple auf unserem Programm steht, ist mir und Instagramshootingpartnern S. (18) und J. (19) klar, heute geht es um alles. Unsere Panik, dass das Temple in Monkey Temple wörtlich zu nehmen ist und Knie- und Schulterbedeckung Pflicht ist, ist glücklicherweise unbegründet. Mein kunstvoll umgewickeltes Handtuch ist zwar effektiv und bewahrt mich vor kompletter Missachtung einiger Teile Thailands, macht sich auf Instagram aber eher nicht so gut. Als ich dann die erworbenen Snacks zum Füttern der Affen in der Hand halte kommt dann doch etwas Angst auf, nachdem ich ein paar Attacken der kleinen bis mittelgroßen haarigen Tiere auf Nahrung aufweisende Touristen beobachten konnte. Zudem sind wie alle sehr darauf bedacht, nur die kleinen süßen Äffchen in unsere Nähe zu lassen. Hoch professionell und effizient werden die Aufgaben verteilt, sobald sich ein Affen einem von uns nähert.  Okay okay, du machst normale Fotos und du machst für Snapchat und dann noch ein Boomerang! Somit müsste am Ende eigentlich jeder mit seiner Ausbeute zu frieden sein. Wobei Ausbeute in diesem Fall bedeutet Menge der Fotos minus derer, in denen sich die Affen irgendwo in seinen Anziehsachen verirrt haben, einem die Haare ausreißen oder einem unangebrachte Körperteile ins Gesicht halten.

2.


10 am cutting banana trees to feed the elephants heißt es bei unserer Ankunft in Umphang auf dem Plan für unser einwöchiges Elefanten-Volunteerprojekt. Wer schon einmal Bananenbäume gesehn hat oder das Vergnügen hatte, sie mit etwas schäppen Messern zu zerhacken, weiß dass es sich hier um eine sehr schmutzige Angelegenheit handelt; dass Bananene-Baumsaft nicht aus Textilien geht, musste ich sehr schmerzhaft herausfinden. So stehe ich morgens grübelnd vor meinem Backpack. Hm, große Bäume fällen, sie bis zu den Elefanten tragen, den ganzen Tag mit Tieren verbringen, die dafür bekannt sind sich selbst mit ihrem Rüssel mit Staub zu bewerfen. Was zieh ich da an? Ja, ja ich glaub mein weißes Lieblings-T-shirt ist eine gute Idee. Knapp 2,5 Monate trage ich das erst nur bräunlich, später dann noch durch einen Wäscheunfall pink verfärbte T-Shirt mit mir rum, es hoffnungsvoll mit in jede Wäsche gebend, bis es dann schließlich in Hoi An im Müll landet. Das Bananenbaum fällen selbst stellt sich dann als gleicher Maßen interessant als auch anstrengend heraus. Unsere Guides haben eine eher lässigere Vorstellung davon, wann man Achtung ich fälle dieses Baum jetzt sagen sollte, sodass das eine oder andere mal eine paar Meter hohe Palme knapp neben einem niederzischt. Dann heißt es, spritzenden Fruchtsaft und aus der Rinde krabbelnde Tiere ignorierend, drauf los hacken und die Schale entfernen. Mit anderen Worten: in mühsamer und kräftezerrender Arbeit das erledigen, was die geschickten Elefanten mit ihren Rüsseln in ein zwei Sekunden geregelt haben.

3.


Unseren Weg zum Ton Sai Beach, einem kleiner Strand neben dem berühmten Railey Beach bei Krabi haben wir uns ehrenvoll erkämpft. Nach dem wir beim Zwischenstopp hier auf dem Weg zu Letzterem bereits einmal umständlich aus den Boot rausgekraxelt sind und anschließend wieder rein (man weiß ja nie ob der nächste Halt nicht doch schöner ist) stellt sich heraus, ne der erste wars doch. Zwischen uns und dem Ton Sai Beach liegt allerdings eine Felsgruppierung inklusive urwaldartiger Bewucherung. Alles kein Problem, wenn man der thailändischen Masseurin traut, die uns handwedelnd in irgendeine nicht genauer spezifizierte Richtung weist. Allerdings in einem Punkt genau genug: über den Fels rüber. Ein paar kleinere Schürfwunden, verlorene FlipFlops und zurück ins Gesicht schellende Äste später bringt unser abenteuerlicher Dschungle“weg“ uns dann doch tatsächlich (nach dem Kreuzen mit einem gut ausgebauten wo auch immer herkommenden Weg) zum Strand. In einem kleinen Strand-Café wird unser Erfolg dann mit einer Eisschokolade gefeiert und natürlich muss so lange gewartet werden, bis das Pärchen in der Reihe vor uns verschwunden ist und wir freie Instagram-Foto-Bahn haben.

geduldiges Warten/ Frustration auf Snapchat

4. 


„Leute… ich habe niemanden, der morgen so ein Bild von mir macht :(.“

-Lola in der Whatsapp-Gruppe einen Tag zuvor

Ob es dafür irgendein Gesetz gibt, es einfach Zufall ist oder ich das „Honeymoon-special“ in der Beschreibung nur immer überlese; ich bin prinzipiell immer die einzige Alleinreisende zwischen sonst nur Pärchen bei jeder einzelnen gebuchten Tour. Besonders ärgerlich ist das bei der Gibbon Experience Anfang März. Während Pärchen nach Pärchen zusammen in der Baumhaus-Dusche mit grandiosen Ausblick auf den Dschungle unter uns und einen zauberhaften Sonnenuntergang, natürlich inklusive Profi-Fotoausrüstung, verschwinden, sitze ich noch grübelnd da. Natürlich habe ich schon vorgearbeitet. Das in den letzten Monate perfektionierte Excuse me, would you mind taking a picture of me ist heute auf eine neue Stufe gestiegen. Ein solches Duschbild kann ich mir partout nicht entgehen lassen und tatsächlich habe ich doch Jemanden gewillten gefunden. Bis jetzt sitzen wir allerdings beide noch hier, unsicher darüber, ob unser Anliegen auch wirklich rübergekommen ist. Aber am Ende des Tages haben wir dann beide schließlich eine handvoll perfekte Bilder und ich mein Instagram-Meisterwerk.

5. 


Wie lange habe ich darüber nachgedacht mir eine Actioncam für diese Reise zuzulegen? 6 Monate? Vielleicht 7? Habe ich es schlussendlich gemacht? Nein. Habe ich mich bei jedem Schnorcheltrip und Co. darüber geärgert? Jep. Glücklicherweise ist so ziemlich jeder außer mir dem logischen Denken mächtig und hat eine weisere Entscheidung diesbezüglich getroffen. Dementsprechend einfach ist die Lösung für mein Dilemma. Die Antwort heißt möglichst oft und möglichst unauffällig aus Versehen in das Bild eines Fotografen schwimmen und am Ende Intetesse an seinen Fotos von der Unterwasserwelt und warte.. huch bin ich da etwa drauf? Ach haha lustig, na das kannst du mir ja auch mal schicken…

6. 


Ich meine, dass es sogar Tag 1 war, an dem das Gesprächsthema das erste Mal auf authentische Kokosnussbilder am Strand fiel. Knappe 3 Monate später ist es dann so weit; ich habe mich an den etwas gewöhnunungsbedürftigen Kokosnuswasser-Geschmack gewöhnt und eine solche an den Strand geschleppt (seit dem ich das Gewicht einer ausgewachsenen Kokosnuss einmal in den Händen gehalten habe, ist mein Angst, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden noch größer). Auch nur etwa eine Stunde sitze ich mit der, inzwischen leeren Kokosnuss, am Strand, bevor jemand, den ich kenne vorbei kommt und ein Foto von mir macht. Sophia_maraa ist währenddessen voller Neid.

7.

Okay okay, ich glaub zu diesem Bild habe ich die dramatische backstory detailliert genug ausgeführt, für alle, die keine treuen lolareist-Anhänger sind: Liebes Tagebuch – Java

8.


Als wir in Ubud in den Reisterrassen auf dem Rundweg an zwei, sich an einer Palme rekelnden Frauen vorbeikommen, welche mit Präzession ein high quality Instagram-Fotoshooting durchführen, machen wir uns alle ein bisschen darüber lustig. Von mir allerdings nur ein Teil, der andere sieht sich schon, lässig an die Palme gelehnt, umringt von Grün und ganz natürlicher Blick zur Seite schon vor sich. Während wir durch die Terrassen schlendern suche ich nach einem Fotoplatz, der mich genau so zufrieden stellen könnte aber es it hoffnungslos. Schließlich gebe ich mich geschlagen und bitte jemanden ein Foto an der Palme für mich zu machen, belächelt von den 10-15 Leuten, die dank dieser Aktion auf den schmalen Wegen durch die Felder sich anstauen dürfen.

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Andrea sagt:

    Haha…. endlich mal die Wahrheit über Instagram…. sehr witzig

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  2. Am besten ist der Unterwasser-Tipp ^^ Großartig. Wer ist nicht schonmal aus Versehen ins Bild des professionellen Fotografen oder desjenigen mit der besseren Kamera „reingestolpert“? 😉

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  3. Guten Morgen,
    ich habe gerade noch deinen neuesten Blog mit dem Hotel Internet gelesen, Heute geht es auf den Dampfer, ohne Netz.
    Dein Blog ist wieder toll und wir freuen uns schon Dich wieder vor uns zu haben und nachfragen zu können. Du hast so vieles erlebt. Danke , das Du uns hast teilhaben lassen.
    Noch einen schönen Endspurt wünscht
    Opa Dieter

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    1. lolalucil sagt:

      Vielen Dank! Genießt eure Reise, ich freue mich auf euch

      Gefällt mir

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