Erleuchtet und so: Erkenntnisse aus Asien

… Mal wieder warte ich auf einen Nachtbus. Mal wieder warte ich sehr lang. Und mal wieder warte ich nicht allein. Um mich herum eine ganze Horde Menschen. Die Frau neben mir schaut sich um und sagt schließlich, zu mir gewendet: wow, ziemlich viele Menschen, das müssen ja mindestens zwei oder drei Busse sein! Nie hat sich Jemand schneller als Asien-Neuling geoutet. Mit einer angebrachten Prise Mitleid, vor allem aber froh diesem Schicksal mal wieder entgangen zu sein, blicke ich später auf die  Leute herab, die sich mit den improvisierten Matten zwischen den Sitzreihen  zufrieden geben müssen. So muss wohl jeder selbst schmerzhaft diese Lektion lernen. Seit ich während einer Minivan Fahrt das Vergnügen hatte, auf einem Plastikhocker zwischen zwei Autositzen zu sitzen, wird bereits, während der Bus am Horizont erscheint abgecheckt auf welcher Seite sich die Gepäckstauraumtür befindet, die Ellenbogen ausgefahren und der Rucksack in die ins-Gepäckfach-Werf-Position gebracht. Denn noch mehr Platz ist im kleinsten Bus.

Man bestellt keine Pasta in Asien. Prinzipiell und egal wo. 

Pasta in Vietnam

… in so manch einer einsamen Stunde, wenn man sich alleine in einer großen Stadt voller Gruppen aus Freunden, Einheimischen und Reisenden wiederfindet ohne selbst auch nur eine Menschenseele hier zu kennen, sehnt man sich gern mal eben nach Jemandem. Wortwörtlich Irgendjemanden. Und bevor man den Smalltalk mit der Kassiererin in dem Gemischtwarenladen dann zu sehr in ein persönliches Gespräch wandelt, landet man dann schon mal bei einem, egal wie unsympathisch wirkendem Hostelgesellen/ Restaurantgast etc.. Als ich so in Luang Prabang sitze ohne ein einziges Wort in den vergangen 48 Stunden zu sprechen außer What is the wifi passcode? und sich dann doch tatsächlich die Schlafraumtür öffnet, bin ich augenblicklich bereit. Der nun hereinkommende Hostelgast wird mein nächstes Opfer. Ein Spinnennetz aus Smalltalkplatitüden und geschickten Übergängen auf die Frage nach einem gemeinsamen Mittagessen ist bereit und wird sofort mit dem ersten hey ausgeworfen. Kurz darauf sitze ich mit einer maximal schlecht gelaunten und verkaterten Britin in einem Restaurant; Innerhalb von 10 Minuten habe ich hier nach einer etwas gröberen Diskussion ihrerseits mit dem Servicepersonal Hausverbot; Noch etwas später verstaucht sie sich den Knöchel. Mein letzter Abend in Laos besteht somit aus Diskussionen mit TukTuk Fahrern über Preise zum Krankenhaus und verzweifelten Versuchen sie davon abzuhalten, mit ihrem geschwollenen Knöchel noch bis zu ihrem kilometerweit entfernten Lieblingsrestaurant zu humpeln, was sie mit ein paar Beleidigungen kommentiert. Leider hat mich inzwischen die gesamte Hostelbesetzung mit meiner launischen Zimmergenossin gesehen, was ein Wechsel der Freunde für den Abend unumgänglich mit verachteten Blicken der anderen verbindet, welche denken ich lasse meine beste Freundin kümmerlich zurück. Manchmal ist keine Freunde haben tatsächlich besser als die Falschen.

…Abenteuerlustig und angezogen von ein paar vietnamesischen Kleinkindern, die voller Begeisterung über Schüsseln mit einem weißen Glibber sitzen, wagen wir es, diesen auch zu probieren. Zu dem weißen Glibber kommt noch eine ganze Menge anderer Glibber aus diversen Töpfen, ganz authentisch mitten auf der Straße. Zu dem Glibber nur soviel: Die Kinder freuen sich übermaßen, als sie unsere Portion auch noch zu Ende essen dürfen. Mit unserem zweiten experimentierfreudigen Versuch, den von älteren Damen am Straßenrand auf kleinen Improvisierten Tischchen verkauften Mango Cakes, haben wir hingegen mehr Glück. Die, mit Erdnüssen und genau der richtigen Menge zu viel Zucker gefüllten Reisteigbällchen sehen so aus und schmecken anfangs auch so, als müssten sie noch gebacken werden.Wahrscheinlich ist es genau das, was mich daran so reizt, von klein auf mit den schlimmsten Samonellen-Horrorstorys von jeglichen Teigschüsseln ferngehalten, schon im Kindergartenalter von allen, mit rohem Teig vermatschten Kindern mitleidig angesehen. Die Chance der risikofreien Rebellion ist gekommen Papa! Streetfood ist grandios, abgesehen von den Malen, wenn es schrecklich ist. 

Überraschend gutes Street-Sushi

 

mobiler Bakso Stand in Cemoro Lawang



Die Wahrscheinlichkeit, dass das Wlan-Passwort 12345678 ist, liegt bei etwas über 90%. Außer in den Philippinen. Da ist es God Bless.

… Nach ein paar Litern Wasser am Abend zu viel stehe ich zu früher Stunde auf dem Campingplatz in Siquijor vor der Badezimmertür. Mittig zwischen den Schildern „for the toilet key please ask at the reception“ und „office hours: 8am – 9pm“. Ja, da soll sich die Blase doch auch bitte dann dranhalten. Das, in einzelnen Stücken und in Plastiktüten eingeschweiste Toilettenpapier, das man an der Rezeption auf Nachfrage und strenge Befragung nach Name und Zimmernummer bekommt, stellt die Frage auf, ob es des Hostels Ziel ist die Umweltverschmutzung möglichst zügig voranzutreiben und muss eine Idee von dem gleichen Genie sein, das als Erster geschälte Orangen in Zellophan verpackt in das Supermarktsortiment aufgenommen hat. Das einzig gute an dieser Situation, auch wenn meine volle Blase da ganz anderer Meinung ist: Das Badezimmer hat doch tatsächlich eine Tür! Hier mit Nichten eine Selbstverständlichkeit. Auf öffentlichen, filippinischen Toiletten ist eine Reihe aneinandergereihter nackter Hintern über quasi nicht mehr als Löchern im Boden ein sehr beliebtes Bild. Sogar eine Spülung hat die Campingplatz eigene Toilette, ein weiteres Detail, das in Südostasien definitiv nicht zur Standart-Ausstattung gehört. Die gute deutsche Standart-Toilette ist überflüssig aber durchaus wertzuschätzen. 

… Mehr als manch eine andere Nation lieben die Asiaten (besonders in Vietnam und auf den Philippinen) ihre einheimische Musik. Am liebsten sehr laut, am liebsten sehr spät und am allerliebsten in der Karaokeversion. Doch ein Musikgenre scheint es zu schaffen, diese Emotionen noch zu übertreffen. Von Bangkok bis zum kleinen Strandörtchen in Vietnam, ein durch die Räume schallendes we wish you a very merry christmas und last christmas i gave you my heart ist überall wertgeschätzt. In einem Land, in dem Weihnachten nicht gefeiert wird ist es nie zu spät für Weihnachtsdeko und -musik.

asiatischer Bus – nicht ohne Karaoke

„that’s why it’s called FEElippines!“. Auf den Philippinen darf man sich von augenscheinlichen Schnäppchen nicht trügen lassen. Denn hier kommt zu einfach allem noch ein ganzer Haufen Steuern hinzu. Für wirklich alles. So wird zum Ticketpreis noch Ticketschalter-, Gepäck-, Sitzplatz- und Flughafengebühr addiert. Das letzte was ich auf philippinischen Boden dann noch mache ist dann tatsächlich eine international flight fee zu bezahlen, bevor ich das Land verlasse. Meiner Theorie genau wegen der ganzen Kleingeldbeträge, die überall verlangt werden, scheint auch keiner in diesem Land Kleingeld übrig zu haben. Somit fängt nach jedem Essen, nach jeder Tricyclefahrt das gleiche Spiel an: Geschäft für Geschäft abklappern im irgendwie sein Geld kleinzukriegen. Also Regel Nummer eins, egal ob du den passenden Betrag hast, erst schauen ob man vielleicht den 1000er Schein loswerden kann. Always break it when you can. 

Zu Hause kann überall sein. 

 

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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anke sagt:

    Hallo Lölchen, ich hatte gerade mal wieder Zeit und das Vergnügen deine letzten 2 Blogs zu lesen und musste wie immer viel kichern – und mich, als verantwortungsbewusste Tante, natürlich in die Reihe derer einreihen, denen über deinen Sturz in den Abgrund die Luft wegblieb….gibt’s keine Fotos….? Eigentlich wollte ich sagen, pass auf dich auf! Wir hatten jetzt Osterferien und tatsächlich etwas frei, dh es gab genügend Tage, an denen wir es kaum geschafft haben, vor 11 aus dem Bett zu krabbeln. Desto faszinierender ist es zu lesen, auf welche unmenschlichen Zeiten ein Wecker gestellt werden kann. Die Straßen und Schienen in Südostasien müssen tagsüber ja wie leer gefegt sein, da alle nachts unterwegs sind…. ich wünsche dir weiter gutes Gelingen und viel Spaß und vielleicht auch etwas Erholung! Deine beeindruckte Tante Anke aus dem teilweise verschneiten Schwabenländle, gehe jetzt mal Heizung anmachen und Wollpullover holen

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    1. lolalucil sagt:

      Hallo ankepanke ❤ das klingt nach sehr entspannten Ferien, da kann man ja fast neidisch werden 😉 langsam macht ihr mir echt angst mit dem deutschen wetter… ganz viele liebe grüße von lola, ich freu mich schon auf euch!

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  2. Danke!
    Danke, Danke!
    Danke, Danke, Danke!

    Ich könnte den ganzen Kommentar weiter so schreiben und D würdest ihn wahrscheinlich verstehen meine liebe mittelgroße Enkeltochter.

    Für die, die das vielleicht auch noch lesen hier noch kurze Erläuterungen.
    Es ist zu schn, zu sehen und zu hören , dass Du wirkich nicht verhungert bist, dass Du immer wieder etwas findest, was Du gerne isst und was soooo gut aussieht. Ich finde es toll, dass Du Dich an Streetfood rantrauchst.
    Danke dafür, dass ich Tränen gelacht habe über Deine Konversationsversuche. Eine Lebenserfahrung. Allein kann man sich schlechter unterhalten als auch in der kleinstmöglichen Gruppe.
    Danke dafür, dass ich jetzt eine ausgewiesene Asien-Busverkehrs-Expertin habe. Da überlege ich doch ernsthaft, mir einen großen Rucksack zu kaufen und nach MiomarChin zu trampen. Vorher buche ich dann bei Dir eine Infostunde.
    Danke, dass Du Dich gut festgehalten hast und diemal nicht vom fuschijama gerutscht bist.

    Ganz liebe Grüße von Deinem Opa

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    1. lolalucil sagt:

      …danke für den lieben kommentar!

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  3. Wieder so ein schöner, vielseitiger Artikel! 😀 Ich freu mich immer über die Email-Nachricht, wenn du was Neues veröffentlicht hast. Bist du jetzt auf Bali?

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    1. lolalucil sagt:

      Dankeschön! Hab Bali leider heute verlassen 😦

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  4. tim sagt:

    eigentlich gehört so´ne ordentliche lebensmittelvergiftung ja auch unbedingt zu jeder großen reise. aus eigener erfahrung kann ich da den letzten tag vor der abreise empfehlen, das sorgt für viel spass auf dem rückflug.
    freu mich dich bald wieder hier zu haben, bis dann hug&kiss t-:

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    1. lolalucil sagt:

      Freu mich auch auf dich 🙂

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