Port Barton Syndrom – ein Beitrag in 3 Anläufen

Vorwort: Liebe WordPressapp, du hast da was falsch verstanden. Dass ich 5 Tage bis zur Fertigstellung an diesem Eintrag geschrieben habe, hieß keineswegs, dass ich so viel Spaß dranhatte, dass ich ihn nochmal schreiben möchte. Trotzdem danke für das mitdenkende Löschen des Beitrags. 

Fußnote: Dem inzwischen zweimaligen Löschens.

Ursprüngliches Vorwort: Alle, die meinen Blog schon eine Weile verfolgen oder die sogar das Glück haben mich persönlich zu kennen mögen es eventuell wissen, für alle Anderen erstmal ein Willkommen und diese zwei Fakten im Voraus: 1. Emotionen und ich, das ist so eine Sache. 2. Entscheidungen und ich ist noch viel mehr so eine Sache. Des Weiteren muss zu diesem Blogbeitrag gesagt werden, dass er in ungefähr 20 Anläufen, von denen nur ein kleiner Teil hier beigefügt wurde, und an etwa 5 verschiedenen Tagen geschrieben wurde. Nun viel Glück beim Durchblicken!

Personen:

  • Lola
  • Ticketoffice Inhaberin
  • Mitreisende 1-5


„Vielen Travellern fällt es schwer, sich von Port Barton zu trennen, und das nicht nur wegen der schlechten Verkehrsanbindung.“

– Lonely Planet

1. Anlauf 

Der Vorhang geht auf. Man sieht Lola in ihrem Stammcafé in Port Barton. Vor ihr ein Instantkaffee. Melancholische Musik setzt langsam ein. 

Lola (tippt in ihr Handy): Es gibt Orte, die schaffen es, dass man an ihnen jedes einzelne Detail vermissen wird. Einer davon ist Port Barton. Von keinem Ort in drei Monaten Backpacking ist es mir so schwer gefallen mich zu trennen. Hochemotional und nostalgisch schaue ich, schon ein paar Stunden vor meiner Weiterreise auf alles hier zurück. Der Moment, wenn um 17 Uhr Leben in mein Hostel kommt, weil die Stromzufuhr einsetzt und der Ventiltor sich ratternd in Bewegung setzt. Die schwarz verkohlte Seite meines allmorgentlichen Brötchen im immer gleichen Restaurant. Das abendliche Valerie, vorgetragen von der Live Band in der immer selben Bar. Das Stolpern im Dunklen auf dem Nachhauseweg nach der Bar über die, über den gesamtem Strand verteilten Bootsanker. Die „Ma’am islandhopping for tomorrow??“ Rufe überall. Seufzt. 

White Sand Beach
Instagram liegt in der Luft
Sonnenuntergang in Port Barton

Port Barton, du hast mein Herz im Sturm erobert, und das obwohl ich es nicht immer leicht mit dir hatte. In keinem Ort saß ich so oft wie bei dir irgendwo verloren und einsam, auf irgendeine Chance auf zwischenmenschlichen Kontakt hoffend.

Meinem, vor Tagen gekauften, Busticket nach, befinde ich mich schon seit Tagen in El Nido, meiner ursprünglichen Hostelreservierung nach habe ich dich schon vor Langem verlassen. Aus einer Nacht wurden schlussendlich vier* und auch jetzt juckt es mir in den Fingern schnell nochmal zum Booking Office zu rennen und mein Ticket umzubuchen. Zum 4. Mal.

* Änderungen vorbehalten

Zeitsprung

2. Anlauf selber Tag, 10 Minuten vor Abfahrt nach El Nido

Rückblende: Man sieht Lola mit ihrem Backpack auf dem Weg zur Busstation. Festentschlossener, sicherer Gang. In der Ferne sieht man Mitreisende 1-5 näherkommen.

Mitreisender 1: Ach, also jetzt fährst du also?

Mitreisender 3 (scherzend): Haha, oder du buchst dein Ticket noch ein 4. Mal um.

Mitteisender 4: Ja haha die Ticketverkäuferin würde dich wahrscheinlich umbringen.

Allgemeines Gelächter über diesen absurden und ganz offensichtlich ironisch gemeinten Vorschlag.

Schweigen

Lola: ich geh mal eben fragen.

Später: Lola schreibt an ihrem Blogeintrag:

Tatsächlich scheint die Ticketverkäuferin nicht gerade froh über mein Anliegen zu sein, und ich muss zustimmen, die Fakten sprechen gegen eine Begnadigung meiner Wenigkeit. Bereits dreimal habe ich mein Ticket ändern lassen, es ist 10 Minuten vor Abfahrtszeit. Ein Betteln mit Unterstützung der Mitreisenden 1-5, sowie das Versprechen aller, heute nur bei ihr zu bestellen (ein Ticketoffice in der Lieblingsstrandbar hat definitiv Vorteile!) bewegt sie aber dann doch schließlich dazu. 5 Minuten später habe ich wieder im Hostel eingecheckt und sitze am Strand. Keiner, inklusive mir hätte damit gerechnet.


3. Anlauf der nächste Tag

Lola (schreibt)Auch heute ist es wieder unerträglich heiß auf den Philippinen. Dem Wetterbericht nach 33 Grad. Der Wetterbericht lügt. Diese freche Lüge spiegelt sich in unseren, in Schweiß geträgten, Gesichtern sowie eigentlich alles. Dehydriert ist gar kein Ausdruck hierfür, alle sind komplett ausgenockt von der Hitze. Mitten im Restaurant kickt bei Mitreisenden 3 der Hitzeschock komplett rein und er trennt sich oral von seinem Mageninhalt. Den Besitzern, die mit allen Mitteln versuchen ihr Restaurant in einem so kleinen und wenig touristischen Ort aufrecht zu halten, kommt diese vermeitliche Reaktion auf ihr Essen wohl nicht gerade gelegen.

Anschließend gehe ich zum Ticketoffice um meine Reise nach El Nido anzutreten. Nach meinen 4 Umbuchungen bin ich nicht einmal überrascht, dass die Ticketverkäuferin meine Buchung nicht an den Busservice weitergegeben hat. Sie scheint ernsthaft verwundert, dass ich nun tatsächlich fahren möchte. Der Van ist inzwischen an Port Barton vorbei, kommt aber netterweise noch einmal zrück.

Der Van ist dann mal wieder ein Paradebeispiel asiatischer Fahrzeuge. Die vom, offensichtlich asiatischen, Hersteller beigefügten umklappbaren Sitze, mit denen man die zum Passieren zwangsläufig freigehaltenen Stellen auch zu Sitzflächen umfunktionieren kann, waren dem Van-Unternehmen hier wohl nicht genug. Da sind ja schließlich noch gute 20 cm zwischen äußerstem Sitz und Tür. Da geht doch noch was!

In grau hier: Der sagenumwobene Extrasitz

Beeindruckt von der Genialität und Innovativität seines Unternehmens scheint der Vanfahret auch gerade bessessen darauf zu sein jeden Zentimeter im Van mit Fahrgästen zu bestücken. Ein vorhaben, dass von sämtlichen Fahrgästen immer dann mit einem lauten allgemeinem Aufstöhnen kommentiert wird, wenn der Fahrer mal wieder zu einer abrupten, staub aufwirbelnden Vollbremsung neben einem am Straßenrand wartenden potenziellen Fahrgast ansetzt. Jedes mal wieder spürt man die Panik in allen Aufkeimen, wer wird sich wohl als nächstes seinen Sitz teilen müssen?

Als die Sonne dann langsam untergeht nähern wir uns El Nido. Alle Fahrgäste außer mir bewundern den atemberaubenden und so farbintensiven Sonnenuntergang. Mit einem Blick durch die offensichtlich stark getönten Fensterscheiben des Vans zweifle ich ernsthaft an der Intelligenz meiner Artgenossen. Aber man will ja niemandem die kindliche Freude zerstören, manchmal sieht man halt nur das was man sehen möchte. Diese Art Wunschdenken kann ich nach 3 Wochen in dem Land für tolle Sonnenuntergänge bei durchgehend bewölktem Himmel durchaus nachvollziehen.

Mit unserer Ankunft in El Nido vergehen dann die letzten Minuten Tageslicht. Und da steh ich mal wieder. Es ist dunkel. Die letzten Tage haben mich komplett ausgenockt, physisch sowie psychisch. Ich habe kein Plan wohin. Stromausfall. In meinem Kopf sowie in den Straßen El Nidos. Die Hostels die ich abklappere: durchgehend ausgebucht. Schließlich lande ich im OMP Backpackers. Auch ausgebucht, aber sie haben da noch den third floor. Gekauft. Im Moment könnte es mir nicht weniger wichtig sein wo ich unterkomme. Der ominöse third floor entpuppt sich als halboffene Dachterrasse mit ein paar Matratzen. Auch beim Buchen einer Tour für den nächsten Tag, ein Thema über das Palawan-Reisende Stunden lang diskutieren können – und meistens auch tun (ganz klassisch Tour A oder ist Tour A nur was für Spießer-Touristen und wer was sich auf sich hält macht Tour B? Aber eigentlich sind doch A und B blöd und nur Tour D der Brüller!), bin ich alles andere als wählerisch und buche quasi in Trance beim erstbesten Office die erste Tour auf der Liste. Mein sonst strikt betriebener Preisvergleich beschränkr sich heute auf zuschlagen und ab Kauf keinen Blick auf Preisschilder anderer Anbieter werfen. Was ich nicht weiß macht mich nicht heiß.

Auf meiner Tour am nächsten Tag sehen wir dann tatsächlich eine ganze Menge schöner Orte. Mehr als klares, blaues Wasser, mehr als schillernd bunte Fische beim Schnorcheln, weniger schillernde Fische, die der Tourguide auf dem Boot neben mir ausnimmt und brät. Hier ist doch etwa kein Vegetarier? Die rein rhetorische Frage gestellt vom blutverschmierten Tourguide in unsere Richtung. Aber kein Ding, eine Gurke ist auch mit an Bord. Trotzdem ist unser Lunch dann super, da in einer kleinen Bucht eingenommen. Zusammengefasst ein schöner Ausflug, auch wenn im Nachhinein betrachtet, die Top Philippinen Touri Aktion wohl nicht die beste Wahl für einen Tag war, an dem man am liebsten keine einzige Menschenseele gesehn hätte.

Big Lagoon
Lunchtime

Abends sitzen dann alle im Hostel mit ihren Bieren zusammen und machen sich für die filipino Fullmoonparty bereit. Alle außer denen, die für morgen nur noch die überteuerte 5 Uhr Fähre erwischt haben (Ich). Hier stellt sich dann mein Schlafplatz als doch weniger praktisch heraus, lockt der Blick über die Stadt doch die betrunke Horde an. Ein fantastisches Bild: in der Mitte Lola auf ihrer Matratze, um sie herum eine Gruppe grölender Betrunkener, die meinen irgendwelche Sternzeichen entziffern zu können. Des weiteren scheint mein Schlafplatz auch der Pausenraum der Mitarbeiter zu sein. Ein Ort für ein Schläfchen oder ein gutes Buch oder halt, und das scheint die bevorzugte Option zu sein, eine Familien-Skypekonferenz über Lautsprächer. 3 Uhr morgens meine Lieben, 3 Uhr morgens. 

Als ich dann um 4:30 Uhr das Hostel verlassen möchte torkelt mir ein Australier entgegen, den ich schon gestern auf der Tour kennengelernt hatte, jetzt allerdings mit deutlich höherem Alkoholpegel. Er schaut mich ernst an und sagt: „Remember. Lola. You are courageous and strong no matter how shitty the ferry will be.“ Na dann!

Sonnenaufgang / Versuch die 5 Uhr Fähre positiv zu sehen
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5 Kommentare Gib deinen ab

  1. Port Barton klingt wie das absolute Paradies. Bei deiner Bus Beschreibung mit den getönten Fenstern musste ich so lachen 😃 Großartig! Bin gespannt was du als nächstes erzählst 😉

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    1. lolalucil sagt:

      Freue mich immer wieder über all eure lieben Kommentare 🙂 bisous und so nach frankreich 😉

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  2. Andrea sagt:

    Der Versuch aus port barton wegzukommen….großartig inszeniert. Freue mich noch auf die fehlenden Bilder… Mir scheint, das ist echtes Abenteuer, was du da hast mit allem was dazu gehört….

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  3. Andrea sagt:

    Der Versuch aus port barton wegzukommen….großartig inszeniert. Freue mich noch auf die fehlenden Bilder…

    Gefällt mir

  4. Dieter Borchardt sagt:

    Ich bin immer wieder begeistert, wie plastisch, wie (farben-) froh Du Deine Reise darstellst und das alles beschreiben kannst. Ich glaube Du bist richtig begeistert von dem was Du erlebst, mit dem was Du Dir erkämpfst.
    Ich freue mich auf den nächsten Beitrag

    Gefällt 1 Person

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