Voll das wilde Leben

„Das liest sich negativer als es gemeint ist“

– Das Känguru

Letzte entspannte Momente in Bohol


Also ich würde ja nicht gerne alleine reisen“ „Ist das nicht sehr einsam so alleine?“ sind typische Sätze, die man als Solo Traveller so zu hören kriegt. Gerade sitze ich im Taxi zum Flughafen und frage mich warum ich überhaupt Kontakt zu irgendwelchen Menschen während meiner Reise aufnehme.

In einer Stunde und zwanzig Minuten ist Boarding Time für meinen Flug, vom Flughafen trennt mich noch etwa eine Stunde Fahrt. Leider habe ich mich in Cebu von meiner Mitreisenden überreden lassen noch ganz kurz beim H&M vorbeizuschauen, der in die andere Fahrtrichtung liegt. Sie brauch auch wirklich nur 5 Minuten und weiß schon genau was sie will und wo es ist. Angekommen im Shopping Centre sollen wir ersteinmal der Sicherheitskontrolle unterzogen werden. Zuständiger Drogenschnüffelhund ist natürlich nicht zur Stelle, wird aber in fünf bis sechs mittelkurzen Anrufen herbeigerufen. Sein Begleiter spielt nur noch eben auf dem Weg ein bisschen Ball mit ihm. Nervöses Getrappel meinerseits und wiederholte Betonung, dass ich es eilig habe scheinen keinen groß zu beeindrucken. Schließlich schicke ich besagte Reisepartnerin schon einmal los ihre abgesprochenen nur 6 Minuten oder so auszuschöpfen. Schon in der Art, wie sie gemächlich zum Ladeneingang schlendert ist zu lesen, dass dies eine fatale Idee war. Währenddessen warte ich mit unseren zwei Backpacks, unfähig mich auch nur einen Zentimeter mit den beiden vorwärts zu bewegen, weiter auf den guten Hund. Mein eigentliches Vorhaben, hier endlich was zu essen zu finden, ist schon längst verworfen. Im Gegenteil, die Vorstellung erst in 5-6 Stunden etwas zu essen zu finden, ist alles worauf ich hoffe, weil dies bedeuten würde, dass ich meinen Flug noch bekomme.
So vergeht die Zeit. Keiner der hier arbeiteten und nur tatenlos an einem Ort herumsitzenden Sicherheitsbeauftragten/Kassierer/Informationsschalterleute lässt sich von meinem Betteln erbahmen, doch kurz auf wenigstens einen der 15-17 kilo Backpacks aufzupassen, damit ich meine Mitreisende suchen kann und sie dazu bequemen kann ihren Shoppingausflug nach nun 35 Minuten zu beenden. Schließlich schleppe ich mich doch irgendwie in den Laden, einen Backpack hinter mir herschleifend, vor lauter Wut natürlich ihren. Ich finde sie schließlich ganz entspannt zwischen ein paar Kleiderstangen, diverse Kleider probehalber anhaltend, überhaupt nicht verstehend warum ich es denn so eilig habe. Dann halt nicht. Schon steht ihr Backpack mitten im Laden und ich renne zum Taxistand. Mein ursprünglicher Plan, ihr notgedrungen mit zur Mall zu folgen um anschließend die Uberkosten halbieren zu können, sind nun mit einem teureren Taxi und dem zusätzlichen Weg entfernt von unserem Ausgangspunkt um etwas mehr weit als das Doppelte vom Preis verfehlt worden.

Am Taxistand versichere ich mich selbstverständlich erst einmal mehrmals, dass das Taxi ein Taximeter hat. Als der Taxifahrer nach ein paar Metern ganz nebenbei selbiges mit einem Handtuch überdeckt kriegt er eine umso gepfeffertere Ansage meinerseits. Der Arme konnte aber auch nicht wissen, dass er sich den denkbar schlechtesten Moment gesucht hat, um zu versuchen mich übers Ohr zu hauen. Jetzt sitze ich hier und bin mal wieder heilfroh darüber, alleine zu sein und größtenteils unabhängig reisen zu können. Nach etwa 40 Minuten Fahrt hiefe ich mein Gepäck aus dem Taxi, seitdem an der laotischen Grenze ein TukTuk Fahrer versucht hat, noch mit meinem Rucksack schnell weiterzufahren, immer mit noch einem Bein im Taxi, was das geradezu graziöse Auf-den-Rücken-heb-Verfahren nicht gerade weniger kompliziert macht.

Mit Betreten der Departure Aufschrift Tür beginnt die Flughafenroutine. Ticket zeigen, Gepäck wiegen, Schock kriegen, weil es wieder zwei Kilo mehr geworden sind, ohne dass ich etwas neues gekauft hätte, zum Security Check eilen, die 1l Flasche Wassser exen, vom Sicherheitspersonal ignoriert werden, obwohl alles piept. In der Sekunde, in der ich mein Check in hinter mich gebracht habe und auf den Departure Bildschirm schaue, wechselt der Status meines Fluges von Check in open zu Check in closed. Eine Sekunde Erleichterung, dann geht es weiter; Ein zu teures Wasser kaufen, 5 Meter weiter den free water Spender über den Weg laufen, drei vier mal Pinkeln gehen, 20 Minuten nach Boarding Time vorm nach wie vor geschlossenen Gate stehen. Dann erstmal eine ganze Weile warten. 30 Minuten nach Boarding Time ohne irgend eine Ansage durch das Flughafenpersonal nervös werden, andere Reisende ansprechen, ob sie auch zum gleichen Ort fliegen, nein tun sie nicht, jemanden finden der es tut, erleichtert sein.

Irgendwann betrete ich dann aber doch das Flugzeug. Am vorderen Eingang muss ich mein Ticket vorzeigen, damit man mir zeigen kann wo sich mein platz befindet. Nach einem grübelnden Blick der Stewardess die überraschende Antwort: Einfach geradeaus.

In Puerto Princessa gelandet stehe ich dann am Gepäckband und bete, dass mein Gepäck als Letztes kommt. Es gibt für alles ein erstes Mal. Der Flughafen verfügt nämlich nur über ein einziges Gepäckband, auf welchem die Gepäckstücke aller Flüge gleichzeitig verteilt werden und das in einer solchen Geschwindigkeit, die es unmöglich macht sich durch die drängelnde Traube aus Menschen und Gepäckwagen rechtzeitig zu boxen.

Als ich dann schließlich mein Backpack auf dem Rücken habe, nicht ohne, beim Versuch ihn auf meinen Rücken zu schwingen die Menschenmasse, so wie Moses damals das Meer, zu teilen, trete ich aus dem Flughafen und gegen eine Wand aus heißer, stickiger Luft und den „Ma’am Ma’am where you going need bike“ Schreien. Routiniert distanziert-freundlich lehne ich sämtliche Angebote ab und bahne mir mein Weg zur Straße in die Richtung meines etwa 2km entfernten Hostels. Der Flughafen ist zentral genug und die Stadt kleingenug, dass man theoretisch überall hinlaufen kann und man von überall aus alle paar Minuten die Flugzeuge starten hören und in den Vibrationen spühren kann.

In Puerto Princessa gibt es dann eine ganze Menge Läden: Vor allem sehr gute vegetarische Restaurants und Reisebüros, die einem empfehlen, sein Ticket bloß nicht bei ihnen zu kaufen, hier sind sie nämlich total überteuert und direkt am Bahnhof kriege ich die billiger.

Also mache ich mich am nächsten Morgen mal wieder auf eigene Faust zum Busbahnhof auf. Mein Tag startet soweit perfekt: Mit einem Tricycle Fahrer, den ich ohne weiteres auf die Hälfte des Preises runterhandeln kann, einer Zimtschnecke und einem der beste Reisegefühle überhaupt: Der Fahrtpreis nach Port Barton ist genau so hoch, wie ich es auch online herrausgefunden hab. Kein nerviges Preisevergleichen und Diskutieren. Wie könnte dieser Tag noch besser werden. Das wird zwar etwas geschmälter dadurch, dass alle zufälligerweise etwas mehr durchschnittlich filippinisch aussehenden, 50 Pesos weniger bezahlen, aber was solls.

Als der Mini Van dann mit 30 Minuten Verspätung und damit noch echt gut in der Zeit mit einer enormen Geschwindigkeit die kurvige Strecke die Berge hoch und runter düst, sodass der Körper und alles was sich sonst noch nicht niet- und nagelfest im Fahrzeug befindet sich permanent im 45 Grad Winkel zu einer der Seiten befindet, wird klar: Die God save us Aufschrift des Vans hat definitiv mehr als einen ästhetischen Sinn. Als ich versuche bei mit 110 km/h in der scharfen Kurve über die Bodenschwelle ein Erdnussbutterbrötchen zu schmieren sehe ich mein Leben an mir vorbeizischen, Tod durch Erdnussbutterlöffel im Torax.

An der Grenze zu Nordpalawan werden wir angehalten und unsere Tasche gecheckt. Nach Sprengstoff? Schildkrötenpanzern? Rauschgift? Nein, nach Mangos. Das erklärt auch warum alle, sich bekreuzigent, die Obstverkäufer am Busbahnhof in Puerto abgewimmelt haben.

Weiter geht dann die Fahrt auf Schlaglöchern mit etwas Straße zwischen, natürlich ohne jegliches Drosseln der Fahrtgeschwindikeit. Inzwischen bin ich maximal durchgeschütellt und vermutlich befindet sich keins meiner Organe noch an seinem ursprünglichen Platz, einige leichte Prellungen, durch gegen die Wände schleudernde Extremitäten inklusive. (Ein eventuell besonders hohes Orthographie -Fehleraufkommen heute müsst ihr mir übrigens verzeihen, da ich während der Fahrt versuche zu schreiben, wobei mein Handy gerade einmal durch den Wagen geschleudert wurde, lediglich dank meiner Kopfhörer an mir befestigt.)

Somit seid ihr total life mit dabei. Soeben fahren wir an einem Motorrad vorbei, dessen Besatzungsanzahl mein bisherigen Rekord an gesichteten Personen pro Motorrad toppt. Ab jetzt gilt es 6 zu übertreffen.

Bei meiner Ankunft in Port Barton werde ich von ein paar Touristeninformationsangestellten, einer visitorfee und einem „no ATM, no problem!“ Schild begrüßt. Ich ahne, dass letzteres nichts Gutes heißen kann und schaue in mein Portmonnaie, aus dem mich ein paar müde Pesos anklagend zurückanblicken. Leise klingelt es auch wieder in meinem Hinterkopf, irgendwann hab ich irgendwo schon mal davon gehört, dass Port Barton über nur teilweise Strom verfügt und über keinen Geldautomaten. So ist Port Barton, der Ort zum Entspannen, für mich erstmal stressig. Stundenlange Versuche, mir selbst Geld zu einem Pick up Point zuzusenden scheitern an dem etwas zu sicherheitsbedachten System meienr Bank, welches wahrscheinlich niemals jemand anderen als mich selbst davon abhalten wird mein Geld zu nutzen. Maximal gestresst, maximal genervt, maximal einsam und maximal weit vom nächsten ATM entfernt, den ich in 3 Stunden Fahrt selbst wenn ich wollte aufgrund fehlenden Fahrtgeldes nicht erreichen könnte. Daraufhin gehe ich erstmal in das teuerste Restaurant, das ich finden kann und haue auch noch mein allerletztes Geld auf den Kopf. Wenn schon, denn schon. Parallel zu meinem Geld schwindet übrigens mein Akku, und das ohne erreichbare Stromquelle (inzwischen habe ich herausgefunden, dass es ab 5pm Strom gibt! Ich bin wieder zuversichtlich!). Als i-Tüpfelchen wird mir mein zu teurer Salat, den ich nur wegen dem Käse drinnen genommen habe, mit den Worten gebracht, dass der Käse leider leer ist. Bis jetzt habe ich mir erst zwei Mal in drei Monaten ernsthaft gewünscht zu Hause zu sein. Heute komme ich einem dritten Mal sehr nahe.

Ansonsten und ausgenommen von Tiefs, das muss zwischen dem ganzen Sarkasmus und Stress auch mal gesagt werden, geht es mir super. Nervige Situationen, blöde Erlebnisse und doofe Bekanntschaften hin oder her. Also, Kopf hoch und weiter, auch dieses Problem wird sich schon irgendwie lösen lassen!

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4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Borchardt sagt:

    Das hätte ich nicht gedacht, dass Du so „leidensfähig“ bist. Trotz manchmal nervigen und schwierigen Situationen, lässt Du Dich nicht unterkriegen und kannst sogar das Positive und Schöne erkennen. Hut ab und meine Bewunderung hast Du.
    Gruß Oma

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  2. Tim sagt:

    Scheint mir Stoff für „Erinnerungen die ein Leben lang halten“ zu haben t-:
    Gibt’s jetzt zur Belohnung ein paar schöne Tage am Strand?

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    1. lolalucil sagt:

      Bikini is schon angezogen

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  3. Wir diskutieren noch, was genau Du mit Mango meinst: Die Mode, die Figuren oer etwa doch die Frucht? Den Rest versten wir besser, sind schließlich in unserer Jugend (so vor 5-6 Jahren HaHa) auch mit Backpack gereist. Aber Du machst es toll und vor Allem erstaunlich ausdauernd. Die Sache mit dem im wegfahrendenTucktu liegenden Rucksack haben Freunde von uns auch erlebt. Was mir aber nicht passiert wäre, ist zu H&M zu gehen.
    Hab weiter soviel Spaß wie die letzte Zeile andeutet und paß weiter so gut auf Dich auf. Ganz liebe Grüße vom Opa

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