How to: Möglichst umständlich auf die Philippinen reisen

Heute morgen fahre ich los zum Flughafen. Natürlich kommen die 160.000 dong exklusive den Touriverarsche Zuschlag, die es kostet dort ein Taxi hinzunehmen, für mich nicht in Frage. Dafür lauf ich vielzu gerne um 5:30 durch eine fremde Großstadt  auf der Suche nach der Busstation, entziffere ausschließlich vietnamesische Buspläne und sitze zusammen mit einem dutzend mies gelaunter (wer kann es ihnen zu dieser Uhrzeit verübeln) Asiaten im local bus. So früh morgens hat Ho Chi Minh einiges an seinem Straßentrubel verloren und ähnelt nun Berlin in der Rushhour oder am 31.Dezember kurz vor Ladenschließung.

Wie immer bis jetzt bin ich hier auch dieses mal die einzige nicht-Asiatin im Bus, was jeder versteht, der einmal versucht hat online oder in der Touristeninformation auch nur die kleinste Info über die local busses zu kriegen. Keiner hat je von dem ominösen Bus 152 gehört, der angeblich zum Flughafen fährt. Also hilft nur auf gut Glück irgend einem Tripadvisorbeitrag zu vertrauen und sich morgens an die Straße zu stellen. Unerwartet funktioniert das ganze problemlos und schon bald sitze ich im Bus. Natürlich ohne vorne beim Busfahrer zu bezahlen, das funktioniert in Asien anders, das weiß ja jeder. Jeder außer jedem anderen Fahrtgast der nach mir einsteigt und dem Busfahrer selbst. Der verkauft nämlich jedem einsteigenden Passagier ein Ticket. Schon nach ein paar Stationen ruft der Busfahrer ungehalten etwas zu dem Polizisten, der mit im Bus sitzt und daraufhin sofort empört zu mir eilt und mich, den bösen Schwerverbrecher, der es gewagt hat das Bussystem missverstanden zu haben, auf vietnamesisch wahrscheinlich auffordert ein Ticket zu kaufen.

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Morgentlicher Verkehr in Ho Chi Minh City

Als ich beim Betreten des Flughafens sehe, dass zur genau selben Zeit auch ein Direktflug nach Manila startet blutez mein Herz ein bisschen aber das geht schon klar.

Am Check-in Schalter am Flughafen habe ich natürlich mal wieder die maximal schlechteste Wahl getroffen, egal wie unschuldig und leicht handhabbar der einzige wartende vor mir zu seien scheint. Kurz nachdem ich mich eingereit hat, stellt sich seine etwa 15-köpfige Großfamilie zu ihm. Inklusive der Abhandlung der geschätzten 5-10 Kilo Gepäckübergewicht pro Person dauert der ganze Spaß dann 40 Minuten, schon hat es sich gelohnt sich mal wieder eine Stunde zu früh auf den Weg zu machen.

Der Gepäckwage nach hat mein Backpack seit meinem letzten Flug zwei Kilo zugenommen und ich bin überzeugt, dass das einzig und allein an dem Schmutz auf meinen Anziehsachen liegt, welche seit Wochen um eine Wäsche betteln. Während ich das schreibe fällt mir mit Schrecken auf, dass die letzte Wäsche glaube ich wirklich noch im letzten Land war. Aber im Eilschritt durch Vietnam gereist und überall maximal 0-1 Nächte geblieben war Wäsche machen partout nicht drin. Was übrigens auch der Grund für meine neuerdings sehr kreative Gaderobe ist. wie sich herrausgestellt hat, kann man mit etwas Talent und bei akutem Oberteilmangel den kompletten unteren Teil eines Kleides in eine Hose stopfen und kriegt ein gratis Po-Lifting inklusive. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Auch ein Handtuch lässig als Rock gebunden ist durchaus akzeptabel.

Am Check in Schalter wird die Frage ob mein Gepäck automatisch auf mein nächsten Flug weitergeleitet wird selbstverständlich abgelehnt. Ist natürlich auch ziemlich viel verlangt für einen der größesten Flughafen Südostasiens und auf so absurde Wünschen, wie dass Passiegere ihr Gepäck auch auf den Anschlussflug gern mitnehmen würden, kann man nun wirklich nicht vorbereitet sein. Ich mein, was kommt als nächstes? Der Wunsch nach einem Wasser unter 5$? lächerlich.

Der Flughafenstress bringt eindeutig nur das schlechteste in mir hervor. So muss ich mich mit einer ganzen Menge Selbstbeherrschung davon abhalten, der älteren Dame hinter mir, die konsequent versucht sich in der unglaublich überfüllten Security Check Schlange vorzudrängeln, ein Bein zu stellen. Insgesamt ist der Service wie eigentlich überall in Vietnam meiner Erfahrung nach unglaublich langsam und nicht hilfsbereit. Umso mehr freue ich mich als ich auf malaysischen Boden doch tatsächlich ein Lächeln abbekomme.

Und es geht durchaus positiv weiter. Meine anfängliche Sorge, was ich mit den 11 Stunden Aufenthalt in Kuala Lumpur anfangen soll ist wie verblasen, als ich feststelle, dass ich nun ein Visa brauche um den Flughafen zu verlassen, meinen Backpack einzusammeln und neu einzuchecken und mich auch noch auf dem falschen Flughafen für meinen Anschlussflug befinde.

Übringens: Für alle deren Geographie Kenntnisse reichen um sich über meine Reiseroute zu wundern. Ja, das seht ihr schon ganz richtig. Die ist sehr bescheuert.

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Dazu nichts weiter

 

Die restliche Zeit am Flughafen überstehe ich dann auch ganz gut auf Grund zahlreicher Essensmöglichkeiten, die ich dank des fehlenden Wissens über den Wechselkurses ohne mit der Wimper zu zucken durchprobiere.

Als ich mich für den nächsten Check in anstelle halte ich eine Sekunde inne. Diesmal nicht. Diesmal werde ich die schnellste Schlange finden, alles simple Mathematik. Schnell die Leute in den einzelnen Schlangen zählen, Business Leute, Backpacker und Normalbürger bekommen den Faktor 1, asiatische Großfamilien, Eltern mit Kleinkindern und  alles mit Gepäck mit geschätzten Ü20 Kilos kriegt den Faktor 2. Das ganze summiert und schon steht die Schlange der Wahl fest. Links und rechts neben mir immer wieder neue Gesichter, rollende Koffer und eifriges Pass Gestempele. Vor mir Stagnation. Es dauert eine Weile bis ich realisiert habe, dass ich mir den einzigen Schalter mit nur einem Mitarbeiter statt 2-3 ausgesucht habe. Man sollte sich wohl seinem Schicksal nicht in den Weg stellen.

Um 2:30 kann ich nach einem weiteren Visaverfahren und einer Taxi Fahrt endlich in mein Hostelbett sinken, wenn auch dank der durchgelegnen Schaumstoffmatte tiefer als mir eigentlich lieb wäre.

Nach nur ein paar Stunden Schlaf startet mein erster Tag auf den Philippinen und ich muss zugeben, dass ich nicht zu traurig darüber bin, dass er größten Teils für Organisatorisches draufgeht. Nachdem ich meine Wäsche -endlich- zum laundry service gebracht habe (die Frage ob A die Wäsche rechtzeitig vor meiner Abfahrt fertig ist und ich B daran denke sie abzuholen, bringt etwas Spannung in die Sache) und nachdem ich nach ein paar Stunden Wlan im Starbucks schnorren mein nächstes Reiseziel ausgesucht habe, mache ich mich auf den Weg zu einem Busbahnhof, von dem ich nur zu 50% sicher bin, dass er exestiert beziehungsweise die richtige Anlaufstelle ist. Seit ich in Laos sowie Vietnam vergeblich stundenlang nach einer Möglichkeit gesucht habe etwas auszudrucken (der Verlauf des Gesprächs mit den Rezeptionisten/Copyshopinhaber/etc immer der gleiche nach der Verneinung der Frage nach einem Drucker: fragender Blick meinerseits auf den Drucker neben dem Jenigen; ertappter Blick des Jenigem; Jeniger stellt sich vor den Drucker mit verstärktem Kopfschütteln), habe ich beschlossen kein Ticket online zu buchen. Die Bahn, mit der ich zum Busbahnhof fahre ist unglaublich voll. Es wird geschrien. Arme und Beine werden zwischen den Türen eingeklemmt. Die gnadenlosen Bahntüren trennen Freunde, Geliebte, Familien. Empörtes Gebrüll und gegen die Fenstergeschlage der auf dem Bahnsteig zurückgebliebenen.

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Reiseplanung bei Grüntee und S’mores

Als ich so in der Bahn stehe und auch später als ich durch die Straßen laufe, irgendwo zwei Köpfe unter mir ein Meer aus schwarzen Haarscheiteln, wird mir klar, ich bin der einzige Europäer hier. Ich spüre hunderte von Blicken auf mir, Freunde tuscheln sich zu und zeigen eher weniger unauffällig auf mich, damit auch ja keiner mich, das Naturphänomen verpasst.

Im Busbahnhof, wo ich mich am Ticketschaltet anstelle und mich über die kurze Schlange freue, weist mich eine sehr freundliche Filipina darauf hin, dass die 5 Sitzreihen hinter mir ebenfalls zu der Warteschlange gehören. Hier setzt man sich hin und rutscht pro nächsten rangenommenen Kunden einen Sitz in Schlangenlinien auf. So wird garantiert, dass man möglichst oft seine verschwitzten Beine von den klebrigen Plastikstühlen ziehen darf und die Beinmuskulatur in stätiger Bewegung bleibt. Auch hier sind alle wieder sehr freundlich, die Wartenden neben mir versuchen mit allen Mitteln mir zu erklären was ich zu tun habe. Somit ist das ganze im Endeffekt, auch ohne den im Reiseführer versprochenen billigeren Preis als beim Online booking, durchaus eine Erfahrung wert.

Morgen geht es dann weiter, jetzt aber erstmal 3-4 Nächte Schlaf nach holen. Ciao gelle

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Borchardt sagt:

    Größe ist auch ein Vorteil, man kann über die kleinen Leute hinüberschauen.
    Und die Sache des Andersaussehens ist bei Freundlichkeit gut auszuhalten, gell? In China im Herbst wollte man mich mehrere Male fotografieren (und dann wurde gestrahlt und gekichert). In Europa hat sicher keiner ein Interesse an einem Foto von mir.

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    1. lolalucil sagt:

      Hahaha ich freue mich imme über eine Selfie! 😉

      Gefällt mir

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