Von Campingplätzen zu Großstadt Metropolen

Als die 21 Passagiere, nach einigen anfänglichen, logistischen Problemen erfolgreich auf die 14 Sitzplätze plus zwei, zwischen die Sitzreihen gequetschten Plastikhocker verteilt sind und sichergestellt wurde, dass auch jeder der, dank der satten 33 Grad verschwitzten Körper ausreichend Körperkontakt hat, starten wir los von unserem Campingplatz in Richtung Mui Ne.
Nachdem ich es geschafft habe, in Relordzeit durch Vietnam zu reisen und sämtliche Sehenswürdigkeitsempfehlungen links liegen hab lassen (mein lonelyplanet sieht mich seit Wochen nur noch vorwurfslos aus der Ecke an), halte ich es heute für angebracht, mich mal wieder einer Tour anzuschließen. Auch mein Instagram account ist nicht mehr auf dem aktuellsten Stand und dem muss natürlich Nachhilfe verschafft werden, vorallem wenn man grade einen Reisepartner wieder getroffen hat, den man schon auf seinen bisherigen gemeinsamen Strecken auf das ideale Instagrambild trainiert hat.

Unser erster Stopp ist ein Wasserfall, der sich nach einem 20minütigen Weg als eher mickrig herausstellt, sogar ohne ihn dem kritischen Blick derjenigen zu unterziehen, die in den letzten Monaten soviele imposante Wasserfälle gesehen hat, von gefrorenen über stürmischen bis hin zu idyllisch ruhigen. Hier ist wortwörtlich der Weg, welcher durch einen kleinen Fluss vorbei an einer Felslandschaft führt, das Ziel. Oder auch das Eis, das man auf eben diesen Wegen kaufen kann. Auf dem Rückweg werden sich misstrauische Blicke unter allen Tourteilnehmern zugeworfen und das Schrittempo steigert sich stätig. Keiner will auf dem Plastikhocker sitzen.


Der nächste Stopp ist dafür umso besser. Die weißen Dünen von Mui Ne, ein bisschen Wüsten Flair mitten in Vietnam. Inzwischen habe ich einen zweiten Instagram Fan gefunden und gemeinsam, meinen persönlichen Fotografen im Schlepptau, suchen wir nach dem perfekten Hintergrund für die perfekten Fotos.

Nachdem der feine Sand sich maximal auf einem Verteilt hat (das abendliche gemeinsame Sand aus dem Bauchnabel puhlen stärkt das Gruppenzusammengehörigkeitsgefühl ungemein) geht es anschließend zu einer weiteren Düne, deren Sand es schafft, die Haftungsfähigkeit auf Haut nochmal zu toppen, sodass bald alle wie in Paniermehl gewälzt herumlaufen.
Die mutigeren unter uns (vorallem die, die wohl erforschen wollen wo man überall noch Sand hinbekomme kann) rutschen auf den überall angebotenen Sandrutschen die Hügel runter. Auch hier werden wir quasi wieder schon noch im Bus von zig Kindern bis Ü70igerinnen beschworen ihre Rutschen zu kaufen. Vorallem letztere scheinen das Sandrutschen voll und ganz im Blut zu haben, mit soviel Schmackes und Anlauf rutschen sie bauchlinks und kopfüber die Dünen runter, um ihr Produkt zu bewerben.

Kurz vorm Absprung die Dünen herunter

Auf einem der Dünengipfel warten wir dann auf den Sonnenuntergang. Die Wüstenidylle, die strahlenden Sonnenstrahlen und der darin schimmernde goldene Sand, nur minimal gestört von der großen deutschen Reisegruppe, die neben uns sich lautstark und in einem Gemisch aus verschiedenen sehr starken Dialekten über die neusten Android Apps und ihre Lieblingsleberwurst unterhalten. Aber über sowas sieht man bei der Aussicht dann auch mal gerne hinweg.

Ab nach Saigon

Fußnote: Es hat zugegebener Weise eine ganze Weile und ein paar sehr verwirrende Gespräche mit Busfahrern und Busticket Agenturen gebraucht, bis mir klar wurde, dass Ho Chi Minh City und Saigon das gleiche ist. 


Dass Pünktlichkeit und das Einhalten der angegebenen Fahrtdauer nicht gerade Spitzendisziplin der asiatischen Verkehrsmittel sind, mag inzwischen wohl zwischen den Zeilen rauszuhören gewesen sein, weshalb es wahrscheinlich nicht gerade erwähnenswert ist, dass ich HCMC schlappe 3,5 Stunden nach der eigentlichen Ankunftszeit erreiche. Somit hat sich, dank der auf knappe 3 Stunden reduzierte Aufenthaltsdauer hier, die Tagesplanung maximal erleichtert.
HCMC is chaotisch. HCMC ist voller Motorräder. HCMC ist, wenn man seinen Tagesplan daran anpasst was auf der gleichen Straßenseite ist, sodass man nicht die Straße überqueren muss. Empörtes Hupen hunderter Motorräder wenn man es wagt bei grün zu versuchen die Straße zu überqueren.


Irgendwie schaffe ich es dann trotzdem mich bis zu einem Geschäft durchzuschlagen um mich mit Essen für die kommenden 24 Stunden einzudecken. 24 Stunden, die ich das Privileg haben werde, auf drei verschiedenen Fluhäfen und, einen minimalen und unbedeutenden Teil von nur etwa 10-20% der Zeit in der Luft zu verbringen. Aber was soll man machen, wenn der Flug früh morgens mit läppischen 12 Stunden Aufenthalt in Kuala Lumpur und Ankunft um 1 Uhr morgens 10€ billiger war. Ich kaufe also eine große Tüte asiatischer Snacks, die ich nicht mag für umgerechnet etwa 10€ und habe das ungute Gefühl mathematisch und finanziel gesehn keinen guten Deal gemacht zu haben.

Inzwischen muss ich in 6 Stunden aufstehen, aber meine, nicht nennenswert kürzer werdende todo Vietnam Liste und das Bluthochdruck gefährdende, unglaublich langsame Wlan des Hostels zwingen mich zurück auf die vollen und lauten Straßen Saigons.

Lügen darf man nicht

Während ich bis jetzt dem Vorurteil über unfreundliche Vietnamesen so nicht zustimmen konnte, schlägt es mir hier geradezu ins Gesicht. Genau das was man braucht, aus dem nichts von einem entspannten Campingplatz in die Großstadt Metropole und eine ganze Menge unerwartete Probleme geworfen. Trotzdem schaffe ich es irgendwie, irgendwo zwischen Nervenzusammenbruch und im Stehen einschlafen, online einzuchecken, meine Flugtickets zu drucken und meine Visadokumente zurechtzusammeln (seitdem ich an der vietnamesischen Immigrationsbehörde stand und mir auffiel, dass ich meine Passfotos sowie US-Dollar im aufgegebenen Gepäck vergessen hatte, wird das alles dreimal gecheckt. Man könnte meinen, dass wäre schon das maximale an Blödheit, aber nein. Ich habe es auch schon einmal fertiggebracht mein gesamtes Handgepäck inklusive Flugticket mit abzugeben.).

So. Bevor der Wecker in inzwischen 5 Stunden klingelt und das Wlan wieder zusammenbricht, beende ich diesen Beitrag mal. Gute Nacht und sicher bis morgen, genug freie Zeit sollte ich irgendwo zwischen Kuala Lumpur und Manila finden.

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. Andrea sagt:

    Guten Flug,
    Ich habe so gelacht:)
    Sehr witziger Artikel

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  2. tim sagt:

    Du reisender scherzbold….

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  3. Borchardt sagt:

    Hallöle Enkeltochter,
    es ist schon etwas schade, dass Du durch Vietnam so gehetzt bist. Ansonsten Hut ab, wie Du alles stoisch meisterst. Weiterhin alles Gute.

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    1. lolalucil sagt:

      Das stimmt schon, aber ich hatte trotzdem eine tolle Zeit! Ganz viele liebe Grüße ❤

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  4. So hüsche Füße im Sonnenuntergang habe ich noch nie gesehen. Kommt dazu, dass ich Wüsten unheimlich gern habe. Auf unserem Fensterbrett stehen Gefäße mit Dünensand aus drei Kontinenten.
    Mit den Motorädern in HCMC fand ich toll. Hier ein paar Superlative von Motoradladungen aus meiner Erinnerung: 4 Personen, 2 ausgewachsenen Schweine, mehrere ca. 20 m lange Bambusstangen, uder ca. 5 x 8 x10 Paletten mit e 60 rohen Eierern.
    Lola du erlebst so viel. Glückwunsch auch wenn es eine ganz andere Reise ist als Deine Großeltern gemacht haben.

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    1. lolalucil sagt:

      Hahah ich finde das hast du sehr treffend zusammengefasst! Dicken Kuss von den Philippinen 🙂

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