Flug durch den laotischen Dschungel

In Südost Asien früh unterwegs sein, hat etwas von auf einer Party zu sein, auf der man als einzigster den dresscode nicht mitbekommen hat. Ein einzelner dumpfer punkt in einer Masse aus leuchtendem orange.

img_1508
Mönche beim morgentlichen Almosengang aus dem Tuktuk fotografiert

 

 

Um rechtzeitig für die Gibbon Experience wach zu sein brauche ich kein Wecker. Pünktlich werde ich von den Gesängen der Mönche auf der Straße neben mir geweckt. Um dem deutschen Stereotyp gerecht zu werden habe ich – natürlich – trotzdem mehrere Wecker gestellt. Dafür habe ich nicht am Vortag bereits meinen favorisierten Platz im Vorführraum der Organisation mit meinem Handtuch reserviert. Nach der Anmeldung und den Sicherheitsvideos im Gibbon Experience Büro geht es los mit dem Truck zum Startpunkt unserer zweitäging Tour. Im Truck folgt das übliche Kennenlernen. Alles Phrasen, die jeder Backpacker nach ein paar Tagen in- und auswändig kennt, die 3 Backpacker Ws 

  1. Wer? „Lola -„…“-„no, Lola“ -„…“ – „no, not Lula, Lola“
  2. Woher? „Germany“ -„…“ – „yes, it’s cold there“ -„…“ – „yes, we have good beer in germany“
  3. Wohin? „…“

Von den meisten, hatte ich schon vorher Gesprächsfetzen mitbekommen und konnte sie dem richtigen Land zu ordnen. Nur was das Paar neben mir für eine Sprache spricht, ist mir ein vollkommenes Rätsel. Ich schätze irgendetwas exotisches oder wenigstens estnisch oder ähnliches. Umso irritierter bin ich, als sie mich, dann doch verständlich klingend fragen „ach du sprichst also auch deutsch?“. Die Schwiizerdütschen können einen immer wieder aufs Glatteis führen. Der laute Fahrtwind sorgt dafür, das mein Interaktionsspielraum auf freundliches Nicken und Lächeln und hoffen darauf begrenzt ist, dass ich die Namen und weitere Informationen später nocheinmal unauffällig woanders aufschnappen kann.

img_1545
Truck fahrt zum Startpunkt

Angekommen am Startpunkt geht es auch gleich los. Zum Leiden meiner, noch von der letzten Wanderung vermuskelkaterten Beine, geht es erstmal aufwärts. Auch wenn ich nicht auf eine derart anstrengende Wanderung emotional vorbereitet war muss selbst ich im nachhinein zugeben, dass man wohl damit hätte rechnen können, dass um den Tag damit zu verbringen ziplines runterzufahren, man wohl oder übel erstmal aufwärts muss. Immer das gleiche mit der Gravitationskraft… Relativ schnell teilt sich unsere Gruppe in zwei Lager. Die Anhänger ersterem schleppen sich schwer atment von Rastplatz zu Rastplatz, wo die andere Hälfte bereits in Startposition wartet, wild dafür demonstrierend, die Pause wegfallen zu lassen. Macht doch grad so Spaß. Mein eigener Stolz überlegt anfangs noch, mich der, zwei bis drei der in die Erde gehakten Stufen aufeinmal nehmenden, Gruppe anzuschließen, aber wem soll ich was vormachen. Selbst mein Ego sieht bald ein, dass mein knallrotes Gesicht und meine zitternden Beine schon vor 500 Metern eine unwiderrufliche und zu dem für jeden offensichtliche Zuordnungsentscheidung getroffen haben.

So klettere ich den Berg hinauf und fange an, mich die elementaren Fragen des Lebens zu fragen. Was mache ich hier? Ist das der Sinn des Lebens? Immer nur schuften um ein bisschen Vergnügen zu haben? Und ist dieses Vergnügen es überhaupt wert, den langen steinigen Weg aufwärts? Und wer bitte hat mit dem „der Weg ist das Ziel“ Schwachsinn angefangen? Wenn dieser Weg das Ziel ist, das was es zu erreichen gilt, bleibe ich lieber erfolglos. Gerade habe ich mich so schön in die Dramatik gesteigert und bin überzeugt davon, 190 $ in den Sand gesetzt zu haben, da sehe ich sie. Die erste zipline.

innerhalb von ein paar Minuten sind alle Bedenken verloren und ich fliege durch den Dschungel. Zwar stelle ich mich dabei ziemlich blöd an, drehe mich andauernd im Kreis und bleibe etwa auf halber Strecke stehn, da ich sofort panisch abbremse als ich den Endpunkt der Zipline auch nur entfernt erahnen kann, aber das tut ja nichts zur Sache. Und Beweise gibt es im Nachhinein sowieso nicht.

(Ganz Instagram-Vollblut habe ich mir natürlich mit Kennerblick schon im Vorführungsraum eine Top Ten Kandidaten Liste potenzieller Fotografen erstellt und habe schnell jemand gefunden, der genauso scharf darauf ist, tausende Bilder von sich und der Umgebung zu haben und so mit mir ein gegenseitiges Foto-mach-Abkommen trifft.)

IMG_1908.JPG
Ziplining durch den laotischen Dschungel

So jagt ein Zipline Highlight das nächste, bis wir schließlich in unserem Baumhaus ankommen. Hier werden wir die Nacht verbringen. Die Schönheit dieses Ortes, dem höchsten Baumhaus der Welt, lässt sich unmöglich in Worte (und auch kaum in Bilder) fassen, trotzdem hier ein paar Fotos:

img_1620

img_1672
Unsere Zipline Ausrüstung
img_1735
einmalige, wenn auch eiskalte, Dusche mit Dschungel Panorama
img_1789
Sonnenuntergang

img_1794

Zusammengefasst haben wir alle eine tolle Zeit und genießen jede Zipline und jeden neuen Ausblick auf unsere Umgebung und die Baumspitzen des Dschungels weit unter uns. Es gefällt mir sogar so gut, dass ich großzügig über die bis zu handflächen großen Löcher hinwegsehen kann, die Baumratten nachts in meinen Rucksack, meine Anziehsachen und zusammengefasst eigentlich alles gefressen haben. Auch die noch Tage andauernden Schmerzen von falschsitzenden Sicherheitsgurten und dem Entlanghangeln an der Zipline, wenn ich mal wieder 50 Meter vor Ende gebremst habe, können meine perfekten Erinnerungen an diese zwei tollen Tagen nicht trüben. Tausend Dankeschöns an all die tollen Leute die dazu beigtragen haben und dieses Erlebnis zu etwas ganz besonderem gemacht haben!

Advertisements