Laos und ein erster Blogeintrag

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Der Mekong zwischen Thailand und Laos

So. Fast ganze 8 Wochen und zwei Länder hab ich jetzt gebraucht, um mich für oder gegen einen Blog zu entscheiden. Und jetzt sitze ich hier, allein in einem runtergekommenem und doch geschmackvollem Doppelzimmer in Houay Xai. Geschmackvoll in sofern, als dass konsequent auf das Zusammenpassen der Accesoires im Raum geachtet wurde. Zu der Teddybärbettdecke ein Teddybärvorhang und Teddybärkissen. Schön. Da fühlt man sich doch gleich viel heimischer. Ziemlich ermattet nach einer grauenvollen Mini Van Fahrt nach Houay Xai (natürlch nicht direkt in die Stadt rein, das wär ja viel zu einfach und den Reisenden würde auch das Erlebnis der, von eiskaltem Fahrtwind geprägten, TukTuk Fahrt um 5 Uhr morgens genommen werden) und einer einstündigen Suche mit meinem Backpack auf dem Rücken, nach einer günstigen Unterkunft bin ich nun also in einer, natürlich nicht günstigen, Unterkunft angekommen. Merke:

  • Das tolle an Übernachtfahrten: man spart die Übernachtungskostem 
  • Das blöde an Übernachtfahrten: total übermüdet und mit einem geschundenem Körper von der Fahrt neigt man dazu, am Zielort angekommen, für ein noch so verranztes Bett soviel zu bezahlen, wie man sonst nicht für zwei Nächte bezahlen würde

Zusammengefast könnte man wohl sagen, ich habe mir einen der unereignisreichsten Tage zum Beginn meiner Blogger-Karriere gesucht. Kein guter Start um als 100000. Travelblog mitzuhalten. Trotzdem kommt hier mein Versuch:

15:30 Ich stehe bereit in Nong Khiaw, den legendären Backpack auf den Schultern, den Tagesrucksack in der einzig akzeptablen Trageweise schön über den Bauch geschnallt und obendrein noch die Handtasche  ungehängt am vereinbarten Treffpunkt. Halb vier wurde mir gesagt. Deshalb steh ich natürlich seit Punkt drei an der Kreuzung, typisch ich. Auch zwei Monate Asien und seine eher lässig lockeren Pünktlichkeitsvorstellungen konnte mich diesbezüglich noch nicht ändern. Süß, wie naiv man manchmal sein kann. Gegen 16.00 fährt das TukTuk langsam ein und irgendwann gehts dann auch los, 1 Stunde zum nächsten Busbahnhof. Natürlich ganz asia style in der doppelten Geschwindigkeit. Warum auch rechtzeitigen losfahren wenn man doch auch einfach eine Stunde länger Mittagsschlaf halten kann, wenn man dafür 40-50 km/h auf der Dorf“straße“ drauflegt?! Nach den ersten 10 Schlaglöchern und 2 bis 3 mal weit mehr Körperkontakt mit meinem Sitzmachbarn als ursprünglich beabsichtigt ( Achtung Geheimtipp! das abrupte Abbremsen des Fahrers dient als idealer Annäherungsversuch für Alleinreisende!) habe ich mein Vorhaben, heute meinen, nur noch spärlich vorhandenen, Vorrat an Reisetabletten nicht anzurühren, über Bord geworfen.

16.40 Angekommen am Busbahnhof wird mir mein Backpack quasi entrissen und auf das Dach eines Mini Vans geworfen. Für mich, die ich gerade von einer einstündigen Bootstour von Muang Ngoi nach Nong Khiaw komme, bei welcher mein Backpack immer wieder gefährlich nah dran war, einen Abflug in den Fluss zu machen (oh man, allein bei dem Gedanken an das wippende Boot, welches meinen Backpack Zentimeter für Zentimeter in Richtung Abgrund bewegte beschleunigt sich schon wieder mein Puls..), definitv kein schöner Anblick. Angesteckt von der Energie des Fahrers, der es ja eben noch so eilig hatte mein Backpack zu verstauen, frage ich gleich wann es den losgeht. Nach einiger Pantomime, inzwischen bin ich absoluter Profi darin, zeigt er auf die 6 seiner Uhr. Bis etwa Viertel nach 5 bin ich überzeugt davon, dass er mich nur falsch verstanden hat. Ab Viertel vor Sechs habe ich eingesehen, dass es doch erst später los geht. Um kurz vor sieben verlassen wir schließlich mit unserem Mini Van den Bahnhof.

Die Sitzplatzverteilung varriert regelmäßig, nach jeder Pause, die wir einlegen setzt sich jeder anscheinend woanders hin. So habe ich das Privileg in den Genuss einer schreienden Babys, einer schnarchenden Frau und, zu guter Letzt eines Mannes als Sitznachbar zu kommen, welcher ganz stereotypkonform im 1-2 Minutentakt offenherzig rülpst. Mein absolutes Highlight allerdings ist, die seit Fahrtbeginn durchgehend und alle Ohropax durchdrängende lautstarke original laotische Musikbeschallung. Woher wussten die, dass genau das das ist, was ich am liebsten zwischen 0 und 5 Uhr morgens, beim verzeifelten Versuch zu schlafen, höre?!

Irgendeine Uhrzeit ziemlich früh morgens Wir kommen in Houay Xai an. Naja, oder zumindest stoppt der Bus hier, ein Blick auf meine Karten-App jedoch sagt mir, dass wir gute 10 km von der Stadt entfernt sind. Eine Entfernung die vor Sonnenaufgang noch um einiges länger klingt. Kurz ziehe ich in Erwägung einfach loszulaufen. Mit einem Blick auf meinem Backpack kommen allerdings Erinnerungen auf, wie ich mit meiner Schwester im November in Island die gleiche Entfernung bei etwa gleicher Dunkelheit und gleichschweren Backpacks, bis zur Hauptstraße auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit versuche zu bekämpfen. Also tue ich es den Laoten um mir herum gleich und lege mich auf eine der Bänke zum Ausruhen. Ehrlich gesagt habe ich keine genaue Ahnung davon wo ich bin, aber die anderen scheinen auf irgendetwas zu warten und ich beschließ, mich ihnen dabei anzuschließen. Ich bin so erschöpft und müde dass ich es erst gar nicht hinterfrage.

6.00 langsam geht die Sonne auf und es wird klar, dass es nur das ist worauf die anderen gewartet haben. Einer nach dem anderen fahren sie auf ihren motorbikes etc los bis ich fast alleine bin. Ziemlich fertig finde ich schließlich heraus, dass das TukTuk, das seit unserer Ankunft dort steht ohne weiteres mich in die Stadt bringen kann, auch gerne schon vor 1-2 Stunden. Tja, Asien verändert einen diesbezüglich irgendwie. Wer weiß ob ich zurück in Deutschland jemals wieder ganz normal in einen Bus einsteigen kann, so sehr gewöhnt man sich an die, einen umwerbenden TukTuk Fahrer, die einen quasi noch im Sleepingbus aufwecken und einen zu ihrem TukTuk schleifen.

Den restlichen Tag liege ich nur im Bett und schleppe mich gelegentlich zu einer Nahrungsquelle. Ich schaue zurück auf den Tag und weiß, dass das nicht grad mein Lieblingstag sein wird, aber das ist okay. Morgen wird ein besserer Tag.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Nic hebestreit sagt:

    hi lola. ich hab von andrea mit bekommen, dass du Reise berichte als blog veroeffentlichst. hab deine harten
    Erlebnisse gelesen. puh. andere welten und andere Art von Leben. ich danke für deinen Bericht. ist spannend. halt uns auf dem laufenden. lg Nic

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  2. Andrea sagt:

    Hi lola, ich finde deine blog so toll. Ich musste so lachen bei deinem Bericht über die nächtliche busfahrt. Und wegen der dschungeltour bin ich ja einfach nur neiiiiidisch.super, weiter so

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